Angriff in Strasse von Hormus stellt Iran-Deal auf die Probe
Ein mutmasslich iranischer Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus stellt das Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran zur Beendigung des Kriegs und Wiederöffnung der Meerenge auf die Probe. Der Vorfall vor der Küste des Omans ereignete sich wenige Stunden, nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien. Daraufhin stoppte die Weltschifffahrtsorganisation IMO vorläufig wieder die Evakuierung von Schiffen rund um die für den Öl- und Düngerhandel wichtigen Meerenge.
Es müsse überprüft werden, «ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind», sagte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez. Das betroffene Schiff habe sich nicht auf Durchfahrt im Rahmen des IMO-Evakuierungsplans befunden. US-Medien zitierten US-Beamte, wonach das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff von einer Drohne der Revolutionsgarden – der Elitestreitmacht der Islamischen Republik – getroffen wurde. Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) teilte mit, ein «unbekanntes Projektil» habe die Brücke beschädigt. Es gebe keine Verletzten.
Teheran warnt
Irans kürzlich gegründete Persian Gulf Strait Authority (PGSA) bekräftigte am Abend auf X, dass Durchfahrten durch die Strasse von Hormus nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien. Andere Routen seien nicht durch die Garantie sicherer Passagen abgedeckt. Jegliche Konsequenzen infolge der Befahrung nicht genehmigter Routen würden in der «alleinigen Verantwortung des Schiffseigners, des Charterers und des Kapitäns» liegen und berechtigten «nicht zu Versicherungsschutz oder damit verbundenen Haftungsansprüchen».
Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Inzwischen haben sich Washington und Teheran vorläufig auf ein Ende der Kampfhandlungen geeinigt. Beide Blockaden wurden im Zuge des Rahmenabkommens aufgehoben. Als Teil des vorläufigen Deals setzten die USA diese Woche Sanktionen auf iranisches Öl vorübergehend aus.