WEF 2023: Worum geht es?
Bei dem Treffen, an dem mehr als 2700 Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie 52 Staats- und Regierungschefs teilnehmen, sind diese aufgerufen, die unmittelbaren Wirtschafts-, Energie- und Nahrungsmittelkrisen zu bewältigen und gleichzeitig die Grundlagen für eine nachhaltigere und widerstandsfähigere Welt zu schaffen.
Zahlreiche Krisen würden gegenwärtig die Welt spalten, schreibt das WEF in seiner Mitteilung. Die geopolitische Landschaft würde dabei zersplittert. Daher müssten sich die am WEF in Davos versammelten Entscheidungsträger um die unmittelbaren kritischen Bedürfnisse der Menschen kümmern und gleichzeitig die Grundlagen für eine nachhaltigere, widerstandsfähigere Welt bis zum Ende des Jahrzehnts schaffen. «Wir sehen vielfältige politische, wirtschaftliche und soziale Kräfte, die zu einer zunehmenden Fragmentierung auf globaler und nationaler Ebene führen. Um die Ursachen dieser Vertrauenserosion zu bekämpfen, müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft verstärken und so die Voraussetzungen für einen starken und dauerhaften Aufschwung schaffen. Gleichzeitig muss anerkannt werden, dass die wirtschaftliche Entwicklung widerstandsfähiger und nachhaltiger gestaltet werden muss und niemand zurückgelassen werden darf», sagte Klaus Schwab, Gründer und Executive Chairman des WEF.
Zusammenarbeit über alle Grenzen
Das Programm der 53. Jahrestagung konzentriere sich auf Lösungen und die öffentlich-private Zusammenarbeit zur Bewältigung der dringendsten Heraus-forderungen der Welt, heisst es weiter vonseiten WEF. Es ermutige die Teilnehmenden in den miteinander verknüpften Bereichen Energie, Klima und Natur, Investitionen, Handel und Infrastruktur, Spitzentechnologien und Widerstandsfähigkeit der Industrie, Arbeitsplätze, Qualifikationen, soziale Mobilität und Gesundheit sowie geopolitische Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt zusammenzuarbeiten. Besonderer Wert werde dabei bei allen Sitzungen auf eine ausgeglichene Repräsentation der Geschlechter und der geografischen Herkunft der Teilnehmenden gelegt.
Grosse Abwesende
Auch dieses Jahr versammeln sich rund 2700 Spitzenkräfte vor Ort. Auf der politischen Seite wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet, die EU ist mit den Präsidentinnen der Kommission, Ursula von der Leyen, sowie des Parlaments, Roberta Metsola, vertreten. Aserbaidschan, Kolumbien, Kongo, Kolumbien, Moldavien, die Philippinen, Polen, Serbien, Südkorea, Südafrika und Tanzania entsenden ihre Präsidenten. Durch die jewiligen Premierminister vertreten werden Spanien, Belgien, Finnland, Griechenland, Irland, Marocco, die Niederlande und Tunesien. Auffallend fehlend auf dieser Liste sind China und selbstverständlich Russland, mit dem das WEF seit dem Einmarsch in die Ukraine keine Beziehungen mehr pflegt. Wie üblich wird auch der schweizerische Bundesrat, geführt von Bundespräsident Alain Berset, die Gelegenheit nutzen und in Davos vielfältige Beziehungen pflegen.
Was ist «Davos»?
Seit über 50 Jahren findet das bedeutendste Treffen der WEF-Mitglieder in Davos statt. Genau so wie «WEF» in Davos schon seit langem als Synonym für das Jahrestreffen gebraucht wird, ist «Davos» weltweit das Synonym für eben diese Veranstaltung. Es sei ein Treffen, bei dem führende Persönlichkeiten aus Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenkämen, die über das Wissen, die Erfahrung und den Einfluss verfügten, positive Veränderungen zu bewirken, beschreibt es das WEF selber. «Seit seiner Gründung vor mehr als 50 Jahren verkörpert das Jahrestreffen den ‹Geist von Davos›, das heisst eine Haltung der Offenheit und Zusammenarbeit, die den Kern der Aufgabe des Forums bildet.» Dazu gehört auch das «Davoser Manifest», das 1973 ins Leben gerufen und 2020 erneuert wurde. Es legt die Grundsätze des Stakeholder-Kapitalismus fest. Dieser steht für ein System gemeinsamer Ziele für Unternehmen, wie sie auch in der Agenda für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen dargelegt sind. Diese 17 Ziele (Sustainable Development Goals SDG) beginnen mit keine Armut und Hunger. Sie erstrecken sich über Gesundheitsfürsorge, Ausbildung und die Gleichheit aller Menschen. Anständige Arbeit ist ein Ziel, genauso wie der Schutz des Klimas und des Lebens auf dem Land wie auch im Wasser.
Als Treffpunkt von Eliten sei Davos jedoch in die Kritik geraten und sei das Ziel von Desinformationskampagnen, stellt das WEF selber fest und lasst einen Kommentator der «London School of Economics and Political Science» zu Wort kommen. Gemäss diesem sei das Klischee des so genannten «Davoser Mannes» heute jedoch weniger relevant, da «Fragen der sozialen Integration und des Umweltschutzes» Vorrang hätten: «Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das WEF jetzt einen grösseren Modus Operandi hat: Es schafft nicht nur einen Konsens durch Dialog, sondern identifiziert auch Führungspersönlichkeiten und motiviert sie zum Handeln.»
Im Zentrum des Weltgeschehens
Dabei kann «Davos» auf dem politischen Parket durchaus auf eine ansehnliche Erfolgsbilanz verweisen. Das WEF zählt dabei die vom WEF vermittelte Davoser Erklärung von 1988 auf. Sie habe einen bewaffneten Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei über Unterwasserforschung in der Ägäis verhindert. Ein Jahr später hätten Nord- und Südkorea hier ihre ersten Treffen auf Ministerebene abgehalten. Im gleichen Jahr hätten der ostdeutsche Ministerpräsident Hans Modrow und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl in Davos über die deutsche Wiedervereinigung gesprochen. Unvergessen ist auch der Handschlag zwischen dem südafrikanischen Präsident de Klerk, Nelson Mandela und Häuptling Mangosuthu Buthelezi am Jahrestreffen 1992. Es sei ein Meilenstein in der politischen Entwicklung des Landes gewesen. «Die Idee, eine neue globale Institution zu gründen, die sowohl Industrie- als auch Schwellenländer umfasst, wurde 1998 in Davos geboren. Die Gruppe, die sich im Juni desselben Jahres zum ersten Mal traf, wurde als G20 bekannt», heisst es weiter in der Mitteilung des WEF. Weiter sei 2000 die «Global Alliance for Vaccines and Immunization» ins Leben gerufen worden. Seither verbessere sie den Zugang zu neuen und unzureichend genutzten Impfstoffen für Millionen der schwächsten Kinder der Welt.
Wer ist dabei?
«Die Teilnahme an der Jahrestagung in Davos erfolgt auf Einladung der folgenden Forum-Gemeinschaften: Chefs und Vorsitzende der 1000 Partnerunternehmen des Forums, die sich aktiv in Initiativen und Gemeinschaften wie dem ‹International Business Council›, der ‹Community of Chairpersons› und den ‹Industry Governors› engagieren», schreibt das WEF. Dazu kämen Führungspersönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der ganzen Welt sowie Leiter internationaler Organisationen. Eingeladen seien auch führende Vertreter der wichtigsten Organisationen der Zivilgesellschaft, der Arbeitswelt und der Medien sowie bedeutende Denker und Akademiker. Dann gibt es noch die WEF-eigenen Gemeinschaften wie die «Global Innovators and Technology Pioneers Community», der «Community of Global Shapers», des «Forum of Young Global Leaders» und der «Schwab Foundation for Social Entrepreneurship», deren Mitglieder ebenfalls eingeladen werden können. Der Weltöffentlichkeit sei die Jahrestagung über Livestream-Sitzungen und soziale Medien zugänglich.
Ständig ändernde Tagesordnung
Entsprechend den sich im Laufe der Jahre ändernden weltweiten Herausforderungen veränderten sich die in Davos angesprochenen Themen. Der Klimawandel sei jedoch ein ständiges Thema, schreibt das WEF. «Ebenso wie Inklusion, Vielfalt und die Frage, wie die Wirtschaft so entwickelt werden kann, dass sie den Bedürfnissen aller Menschen gerecht wird.» Die Tagesordnung ändere sich jedoch, um die jeweils dringendsten Probleme der Welt anzugehen: «Von der Pandemievorsorge über die Umschulung und den Zustand der Weltwirtschaft bis hin zur Energiewende.» Teil der vom WEF durcheführten Analysen ist der Global Risks Report, der jeweils kurz vor dem Jahrestreffen veröffentlicht wird. Darin werden die anstehenden kurz- und längerfristigen kritischen globalen Risiken ermitteln und analysiert. Sie liegen dann den Diskussionen am «WEF» zugrunde. Die Sitzungen hätten dann zum Ziel, den Fortschritt zu beschleunigen und die globalen Herausforderungen zu bewältigen. «Das Forum setzt diese Arbeit das ganze Jahr über mit einer Reihe von Initiativen über seine ‹Zentren und Plattformen› fort.»