Als die Welt im Café Spörri in Teufen AR einkehrte
Eine Ausstellung im Zeughaus Teufen AR ist der Geschichte des Café Spörri gewidmet. Fast 80 Jahre lang war das «Stadtcafé im Appenzellerland» eine Institution mit Ausstrahlung weit über Teufen hinaus.
Der Patissier und Confiseur Jacques Spörri hatte 1932 nach Lehr- und Wanderjahren mit Stationen in Montreux, Marseille, Nizza, Paris oder Glasgow – dort erlernte er die Herstellung der Spezialität Fancy Cakes – die Liegenschaft in Teufen übernommen. Daraus wurde bald eine in der ganzen Region beliebte Confiserie – und vor allem ein bekanntes Café.
Sohn Peter und Helen Spörri entwickelten das Lokal mit viel Engagement, aber auch mit diversen Umbauten zu einem gesellschaftlichen Anziehungspunkt, in dem in den 1960er und 1970er Jahren «Bundesräte, Filmstars und die Dorfjugend gleichermassen verkehrten», wie es in der Beschreibung zur Ausstellung heisst.
Zum Erfolg trugen – neben der Confiserie – auch die Lage im Dorfzentrum, der Anbau gegen Süden, mit dem die Zahl der Tische erhöht werden konnte, und wohl nicht zuletzt ein grosser Parkplatz für die autofahrenden Gäste bei. Bald standen 120 Innen- und 100 Gartenplätze zur Verfügung. Die Belegschaft erhöhte sich auf 25 Personen.
Eine besondere Vernissage
Das Lokal vermittelte in seiner Blütezeit den Eindruck von Mondanität. Im Café wurden neben dem regelmässigen «Piano-Cocktail» – zur Ausstattung gehörte ein Flügel – Liederabende oder auch Kabarettvorstellungen und Modeschauen veranstaltet. Als 1966 die Toiletten-Anlage erneuert werden musste, luden die Spörris zu einer Vernissage ein, über die verschiedene Medien berichteten. Eine der Neuerungen: Das Wasser zum Händewaschen wurde per Fussdruck aktiviert.
Das Gästebuch sei zwar verschwunden, heisst es in der Publikation zur Geschichte des Cafés. Einige der Angaben über Berühmtheiten sind aber erhalten geblieben. Wer Glück hatte, konnte im Lokal internationale Filmstars wie Peter van Eyck («Lohn der Angst», «Die 1000 Augen des Dr. Mabuse») oder Mario Adorf («Die Blechtrommel», «Kir Royal») begegnen. Mindestens so bekannt war die Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker. Regelmässig wurde auch Politprominenz bewirtet, etwa die Bundesräte Kurt Furgler oder Arnold Koller.