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Schweiz und Welt

Alle Augen auf Serena Williams

Agentur sda
heute um 05:00 Uhr

Serena Williams ist wieder da. Wenn die Ikone am Dienstag in Wimbledon mit 44 Jahren und als zweifache Mutter ihr Comeback gibt, steht die Tenniswelt still. Doch was kann man von ihr erwarten?

Ob Stan Wawrinka, Ben Shelton oder Novak Djokovic – wenn Serena Williams in Richtung der Trainingsplätze im Aorangi Court auf der Tennisanlage in Wimbledon schreitet, drehen auch die grössten männlichen Stars ihre Köpfe. Und wenn sie dann noch mit «Nole» abklatscht, gehen die Bilder innert Minuten um die Welt und Social Media explodiert.

Auf der Website der WTA erscheint unter der Rubrik «Ikonen des Sports» an erster Stelle Serena Williams – vor Steffi Graf und Martina Navratilova. Nun ist diese Ikone wieder aktiv, die Frau, die das Frauentennis in den letzten 30 Jahren geprägt und revolutioniert hat. Ein strahlender Leuchtturm für die Werbung wie für hunderttausende junger Tennisspielerinnen gleichermassen. 23 Grand-Slam-Titel hat Williams im Einzel gewonnen, davon sieben in Wimbledon, insgesamt vier Olympia-Goldmedaillen (drei im Doppel mit Schwester Venus) zieren ihr Palmares.

Letzter Grand-Slam-Final vor sieben Jahren

So weit, so gut. Der Status von Serena Williams als Tennislegende, als mutmasslich Beste, die diesen Sport je ausgeübt hat, ist unerschütterlich, egal, wie das Comeback am Ende herauskommen wird. Über ihren Aufstieg aus dem Armenviertel Compton gibt es sogar einen preisgekrönten Kinofilm, Will Smith gewann für seine Rolle als fordernder Vater Richard einen Oscar. Mit dieser Strahlkraft kann keine der aktuell besten Spielerinnen auch nur annähernd mithalten.

Deshalb werden die Einschaltquoten am Dienstag, wenn Williams zu ihrer Erstrundenpartie gegen die nicht einmal halb so alte Maya Joint antritt, in die Höhe schnellen und noch mehr als im Training alle Blicke auf sie gerichtet sein. Serena Williams geniesst dieses Rampenlicht, ohne kann sie offensichtlich nicht. Doch zu was ist sie knapp vier Jahre nach ihrem Rücktritt und drei Jahre nach der Geburt ihrer zweiten Tochter noch – oder wieder – fähig? Nach der Geburt der ersten Tochter erreichte Williams noch vier Grand-Slam-Finals, gewann aber keinen. Der letzte Final liegt bereits fast sieben Jahre zurück.

«Sie ist eine Legende. Es ist inspirierend, das zu sehen», sagt die aktuelle Weltranglistenerste Aryna Sabalenka zu Williams' Comeback. Und der ehemalige deutsche Tennisstar Boris Becker meint in einem Podcast: «Das Tennis wird von diesem Comeback profitieren.» Ein Einzel von Williams in Wimbledon führe zu einem Rekord an Fernsehzuschauern, mutmasst er. «Tennis braucht Zugpferde.»

Ein Moment für die Töchter

Vor ihrem ersten Auftritt im Doppel im Londoner Queen's Club gab Williams zumindest ein wenig Einblick in ihre Motivation. «Dieser Moment ist auch für meine Töchter. Ich möchte, dass sie sehen, was für eine starke Frau ich bin, wer ich bin», sagte sie vor gut zwei Wochen. Sie habe «nichts zu beweisen». Eine Wettkämpferin mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Ehrgeiz wird aber nicht einfach nur ein wenig mitspielen wollen.

Da sie jedoch seit ihrem Comeback nur zwei Doppel gespielt hat, bleibt die grosse Frage, wie es um die Physis der 44-jährigen Amerikanerin steht. Becker sieht auch ein Risiko für die Marke Serena Williams. «Wenn, muss sie gewinnen. Nicht gleich das Turnier, aber ein paar Matches soll sie gewinnen. Dann ist alles gut.» Das Los könnte helfen. Zum Auftakt wartet nicht eine gesetzte Spielerin, wie es auch möglich gewesen wäre, sondern die Weltnummer 53 Maya Joint.

Die 20-jährige Australierin scheiterte bei acht Grand-Slam-Turnieren sechsmal in der 1. Runde, zweimal (am US Open) in der zweiten. Ein Sieg von Williams erscheint also durchaus möglich, auch in einer 2. Runde gegen die Nummer 29 Alexandra Eala oder Renata Zarazua. Danach könnte es zum Duell mit der Titelverteidigerin Iga Swiatek kommen.

Für das Frauentennis ist das Comeback von Williams auch ein zweischneidiges Schwert. Gewinnt sie, generiert sie weiterhin willkommene Schlagzeilen und Einschaltquoten. Gewinnt sie zu einfach oder zu viel, wirft das aber auch ein schlechtes Licht auf das aktuelle Niveau im Frauentennis. Das ist jedoch aktuell nicht mehr als Kaffeesatz lesen. Eine erste Antwort gibt es am Dienstag auf dem Platz.