Abenteuerliche Reisen und Erfindergeist
Auf der Halbinsel zwischen den beiden Flussläufen Linth und Sernf in Schwanden siedelte sich 1828 eine Firma an, durch die das Glarnerland Teil des «Wirtschaftswunders» wurde. Denn die aus dem Glarnerland stammenden Besitzer der seit 1788 in der italienischen Hafenstadt Ancona ansässige Handelsfirma P. Blumer & Jenny, eröffneten im Areal «Mühle» in Schwanden eine Textildruckerei.
Innert weniger als einem Jahr errichteten sie 30 Gebäude. Produziert wurden hauptsächlich bunte Baumwollschals mit Wollfransen. Die Einführung der technisch aufwendigen Färbeverfahren für Türkischrot und Indigoblau erlaubte die Herstellung von Fernost-Tüchern wie zum Beispiel Sarongs mit Batikmusterung.
Papst tauft «Helvetia»
Auf einer beschwerlichen Geschäftsreise nach Indien und Indonesien erschloss der junge Schwandner Conrad Blumer 1841 neue Märkte im Fernen Osten. Handelshäuser in Bukarest, Smyrna und Manila wurden gegründet. «Das Stammhaus in Ancona besass mittlerweile eine Flotte von fünf grossen Segelschiffen.» Papst Pius IX. höchstpersönlich nahm 1858 an der Taufe des Schiffes mit Namen «Helvetia» teil.
Durch die Erfindung des mechanischen Walzendrucks gab es auch in Schwanden eine Erweiterung des Betriebs. Dadurch konnten bis sechsfarbige Tücher in grossen Auflagen günstig produziert werden. Darunter auch die klassischen Bauern-Taschentücher, die bis heute als «Glarner Tüechli» bekannt sind.
Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Glarner Druckindustrie in Schwierigkeiten. Zwar musste das Stammhaus in Ancona aufgegeben werden. Der Betrieb konnte jedoch während der beiden Weltkriege mit einer Belegschaft von rund 200 Personen weitergeführt werden. Erst der wirtschaftliche Zusammenbruch in wichtigen Exportgebieten zwang die Firma 1980 zur Produktionseinstellung. 2011 folgte der Umzug nach Niederurnen, wo bis heute Kreation und Verkauf von Schals, die bei Lohndruckfirmen produziert werden, betrieben wird.
Eng mit dem Glarnerland verbunden ist der Electrolux-Konzern. Denn die Erfindungen des Glarners Samuel Blumer aus Schwanden trugen massgeblich zum Erfolg der Firmengeschichte bei. «Schon als Jugendlicher war Blumer fasziniert von den damals aufkommenden Möglichkeiten der Elektrotechnik. Er baute Klingel- und Dynamoanlagen und schaffte sich alle möglichen elektrischen Apparate an, um sie auseinanderzunehmen und nachzubauen», erfährt man auf der Infotafel 9.4 des Glarner Industriewegs. «Schliesslich gelang ihm die Entwicklung eines Produkts, das ihn mit 25 Jahren weit über die Schweiz hinaus bekannt machte: das elektrische Bügeleisen.»