186 Jahre Textilgeschichte in Ziegelbrücke stehen vor dem Aus
Ende April hat die Jenny Fabrics AG in Ziegelbrücke die Schliessung ihrer Weberei angekündigt. Vorbehalten bleibt ein positives Resultat aus dem Konsultationsverfahren. Bis bis 18. Mai können die Mitarbeitenden Vorschläge machen, wie die Firma doch noch weitergeführt werden könnte. Doch eine Weiterführung bleibe unwahrscheinlich, der Verwaltungsrat habe nicht leichtfertig entschieden, sagt Verwaltungsratspräsident Caspar Jenny. Die weiteren Jenny-Unternehmen, Fritz + Caspar Jenny AG, Immosupport und Ziegelbrücke Energie AG, sind von der Schliessung der Weberei nicht betroffen, wie die Firma festhält. In Niederurnen bleiben damit 35 Arbeitsplätze erhalten.
Ein Familienunternehmen
Erst seit 1986 ist die Fritz + Caspar Jenny eine Aktiengesellschaft, vorher waren die Patrons in einer Kollektivgesellschaft gemeinsame Besitzer der Textilfirma, die 1834 von Fridolin Jenny gegründet wurde. Die neuere Firmengeschichte begann 1997 mit der juristischen Verselbstständigung der (bereits 2001 geschlossenen) Spinnerei Ziegelbrücke AG und der Jenny Fabrics AG, die sich auf die Weberei konzentrierte. Laut den Autoren von «Industriekultur im Kanton Glarus» hin schon die Neuausrichtung von 1997 mit dem zunehmend schwierigeren Umfeld für die Schweizer Textilindustrie zusammen. Caspar Jenny-Hahn, der Sohn von Fritz Jenny-Tarter, übernahm damals die operative Leitung, er ist heute Verwaltungsratspräsident.
Die Jenny Fabrics schreibt auf ihrer Website, sie habe sich im Weben laufend spezialisiert, deshalb investiere sie ständig in Infrastruktur und Maschinenpark. Und sie hat immer wieder Kostendruck abzufangen:
— 2004 kann man von der Weberei Wängi, die den Betrieb aufgibt, Archiv und Know-how der Drehertechnologie übernehmen. Mit eigens umgebauten Webmaschinen und bis zu fünf Kettbäumen pflegt man diese historische Webtechnologie und stellt Bekleidungs- und Vorhangstoffe her. Im gleichen Jahr beteiligt sich Jenny an einer Weberei in Tschechien, um günstiger zu produzieren.
— 2006 findet man einen Partner in China. Man organisiert den Einkauf von hochwertigen Schaftgeweben für die Kunden und wacht in Niederurnen über die Qualität.