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Regionalsport

Ginia Caluori: «Seit Ende August habe ich nur eine Nacht zu Hause geschlafen»

Die letzten Wochen waren für Ginia Caluori intensiv. Mountainbike-Weltcups, Höhentraining und die Strassen-WM in Afrika. Jetzt ist die Saison vorbei. Es ist Zeit für Partys, vor allem aber für Ferien.
Südostschweiz
16.10.2025, 11:16 Uhr
12.05.2026, 16:56 Uhr

Ginia Caluori

Schöne Emotionen, nachhaltige Eindrücke, unbezahlbare Erlebnisse und vieles mehr – es ist gar nicht so einfach, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Nur etwas ist einfach: Seit den Mountainbike-Weltcuprennen in Les Gets – das war Ende August – habe ich lediglich eine Nacht zu Hause verbracht.

Anfang September weilte ich mit den Kolleginnen des Strassen-Nationalteams 18 Tage lang im Höhentrainingscamp am Berninapass; wir bereiteten uns auf die WM in Ruanda vor. Wir hatten es super, und für mich war es sehr spannend; von Athletinnen wie Elise Chabbey und Marlen Reusser kann man sich vieles abschauen. Ich war nie zuvor in einem Höhencamp gewesen, und es fühlte sich auch nicht speziell an – wohl auch, weil ich in den Bergen aufgewachsen bin. Aber den Effekt habe ich dann sehr wohl gespürt – sowohl in Ruanda als auch später in Nordamerika. Die Form war richtig, richtig gut.

Ab ins Ungewisse

Afrika war für mich Neuland, die Reise nach Kigali speziell, ja wohl einmalig. Im Training brauchte es höchste Konzentration. Da war der Verkehr; für uns Schweizer sah es nicht danach aus, als gäbe es da Regeln. Zudem mussten wir stets schauen, uns auf dem Velo nicht zu nahe hinter Autos aufzuhalten. Was jeweils aus dem Auspuff herauskam, erinnerte an den Rauch einer Dampflokomotive. Die Leute waren sehr nett, sehr offen und hilfsbereit. Natürlich wollten sie immer unsere Bidons haben. Aber wenn wir ihnen den Bidon einmal nicht geben konnten, weil wir nur einen hatten und diesen fürs Training brauchten, akzeptierten sie es ohne Widerrede.

Im Rennen hatten Noemi Rüegg und ich die Aufgabe, das Rennen zu überwachen. Löste sich eine Gruppe, musste stets eine von uns mitgehen. Das gelang uns ausgezeichnet, wir konnten unsere Taktik generell voll umsetzen. Letztlich war es für unser Team ärgerlich, dass die Favoritinnen zu lange abwarteten und die Fluchtgruppe durchkam und wir ohne Podestplatz blieben. Aber ich glaube, auf unsere Leistung dürfen wir dennoch alle stolz sein.

Nach «Hause» und gleich wieder weiter

Nach der Rückkehr aus Ruanda verbrachte ich eine Nacht in der WG meines Bruders in Zürich und flog gleich weiter nach Nordamerika. Es war eine Monsterreise, aber ich steckte sie gut weg und fuhr im Cross-Country-Rennen von Lake Placid auf Rang 10, so weit nach vorne wie nie zuvor. Eine Woche später hätte es in Mont Sainte-Anne gar noch besser werden können, ich bog nach einem Superstart als Zehnte in die erste Abfahrt ein. Dann stürzte die vor mir fahrende Konkurrentin, ich fuhr in sie hinein, wir wurden von allen anderen überholt. Ich gab dann nochmals alles und stiess vom Ende des Feldes bis auf Rang 13 vor.

Die After-Party war grossartig, aber nun freue ich mich auf mein eigenes Bett. Wenn auch nicht für lange, bald geht es an die Wärme. Ich spüre, dass ich Ferien benötige. Die Saison, meine erste bei der Elite, meine erste auf der Strasse und unsere erste mit Nexetis, war lang, hart und mega cool. Persönlich bin ich dankbar über den Support und happy über die Fortschritte. Das motiviert extrem, im Hinblick auf die nächste Saison wieder Gas zu geben.

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