Von null auf hundert – ab ins Tor
In Bern hatte zuvor HCD-Verteidiger Enzo Guebey mit einer Fairplay-Aktion landesweit für viel Furore gesorgt
Mit Sandro Aeschlimann und Gilles Senn verfügt der HC Davos in dieser Saison über das wohl beste Torhüterduo in der National League. Letzte Woche schlug jedoch die Verletzungshexe gnadenlos zu. Am Dienstag schied Aeschlimann beim 6:5-Sieg nach Penaltyschiessen in Lausanne im letzten Drittel verletzt aus. Und am Samstag erwischte es im Heimspiel gegen Fribourg-Gottéron auch seinen Stellvertreter. Nach 40 Spielminuten konnte Senn nicht mehr weitermachen. So wurde Laurin Solèr sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Konkret kam der 17-Jährige völlig unerwartet zu seinem Debüt in der National League, zu seinen ersten (fast) 20 Spielminuten im Erwachsenenhockey.
Quasi «von null auf hundert», wie es Solèr ein paar Minuten nach dem Match gegen Fribourg selber formuliert. Eigentlich hatte er den Match in der Rolle des Ersatztorhüters und Bandentörchen-Öffners gesehen. Doch dann war Senn unmittelbar vor dem Ende des ersten Drittels von Killian Mottet hart angegangen worden. Der HCD-Goalie spielte im Mittelabschnitt dennoch weiter. Gilles habe schon in der ersten Pause Kopfschmerzen beklagt, erzählt Solèr nach dem Match. «Da wurde ich etwas nervös. Mitte der zweiten Pause kam dann unser Torhütertrainer Markus Ketterer auf mich zu und sagte mir, dass ich mich für den Einsatz vorbereiten müsse. Ja, und dann ging es los.» Solèr blieb gerade noch Zeit, sich mit einigen Dehnübungen aufzuwärmen. Einschiessen auf dem Eis ist bei einem Torhüterwechsel nicht erlaubt.
«Ich hatte einen ziemlich einfachen Job»
Solèr kam ab der 41. Minute beim Spielstand von 3:4 zu seinem National-League-Debüt. Der 1,92 Meter grosse und 87 Kilogramm schwere Junior strahlte eine bemerkenswerte Ruhe aus. Er parierte im mit 6547 Zuschauern ausverkauften Davoser Eispalast alle sieben Schüsse des Tabellenzweiten. Den fünften Freiburger Treffer sah Solèr von der Spielerbank aus. Chris DiDomenico traf ins leere HCD-Tor. Solèr hatte für den (vermeintlichen) Davoser Schlussspurt sechs Sekunden zuvor einem sechsten Feldspieler Platz gemacht. «Der Einsatz kam für mich sehr überraschend, aber im Nachhinein betrachtet war es sehr schön für mich», blickt Solèr auf seine ersten 19 Minuten und 56 Sekunden in der obersten Schweizer Spielklasse zurück. «Ich hatte einen ziemlich einfachen Job, weil mich meine Mitspieler sehr gut unterstützten.» Von Spass mag der Debütant dennoch nicht sprechen, «weil wir verloren und Gilles Senn verletzt ausschied». Als Spassbremse erwies sich ein annullierter Treffer. In der 57. Minute traf Dominik Egli zum vermeintlichen 4:4. Dem Tor war jedoch ein Offside vorausgegangen.