In Pontresina werden begeisterte Schneesportlerinnen und -sportler miteinander vernetzt
Bigna Buchli
Während die warmen Temperaturen bei vielen Menschen Frühlingsgefühle wecken, geniessen angefressene Schneesportler die schönen Sonnentage in den Bergen. Wer dies abseits der Pisten tun möchte, trifft sich jeweils Ende März in Pontresina an den Backcountry Weeks (BCW). Der von der Bergsteigerschule Pontresina «Go Vertical Guides» in Pontresina organisierte Anlass fand dieses Jahr bereits zum zehnten Mal statt. Um die saisonal bedingte Flaute zwischen Weihnachtsferien und Ostern zu beleben, entstand unter drei ambitionierten Bergführerkollegen die Idee, während dieser Zeit Angebote für verschiedene Niveaus anzubieten. «Anfänglich verteilten wir die Kurse auf eine Woche, aber die grosse Nachfrage überstieg unsere Kapazitäten an lokalen Bergführern schon bald», erzählt Mitinitiant Marcel Schenk. «Heute bieten wir die BCW jeweils Ende Januar in Davos und Ende März in Pontresina an, dafür nur noch drei bis vier Tage. Die Vernetzung unter Gleichgesinnten, Geselligkeit pflegen, nach der Tour Zeit miteinander verbringen und etwas zusammen trinken, Kontakte knüpfen und Freunde treffen, das sind für uns zentrale Ziele», so der 40-Jährige weiter.
Die gute Stimmung ist auch am Morgen auf dem Treffpunktgelände mitten in Pontresina spürbar, wo Schenk mit seinem Team das Tagesprogramm bespricht und die rund 60 anwesenden Outdoorsportler auf die verschiedenen Module aufteilt. Diese reichen von Lawinenkunde über Tiefschneefahrtechnik und alpine Hochtouren bis hin zu Skitouren in allen Schwierigkeitsstufen. Willkommen sind auch Snowboarder und Toureneinsteiger.
Testmaterial ist inklusive
Ungefähr die Hälfte der Anwesenden ist nicht zum ersten Mal dabei. Man kennt sich untereinander. Gesprochen wird in den unterschiedlichsten Sprachen und sogar ein Teilnehmer aus Alaska ist bei de diesjährigen Austragung dabei. Gesprächsthemen sind die Wetter- und Schneeverhältnisse sowie die erlebten Abenteuer in den Bergen. Eine Gruppe Deutscher hat sich bei Anselm Tscharner versammelt und folgt seinen Erklärungen. Der erfahrende Bergführer lebt seit 16 Jahren in Pontresina, kennt die Gegend bestens, war bisher bei allen BCW dabei.
Mit routiniertem Blick kontrolliert er, ob das Material vollständig ist. Sicherheitsausrüstung bei allfälligen Lawinen, Klettergurt und Sonnencrème sind unerlässlich, denn es geht auf den Gletscher. Die Ausrüstung kann bei Vertretern verschiedenster Marken auf dem Gelände ausgeliehen und getestet werden. Ein wichtiges Kriterium, weshalb sich die Münchner Truppe für die BCW entschieden hat. Sie hätten verschiedene Angebote im Internet verglichen, aber als Anfänger wäre überall die dreitägige Materialmiete dazu gekommen. Nun würden sie jeden Tag einen anderen Ski ausprobieren und vor Abreise den Passenden kaufen.
Familiäre Atmosphäre
Tscharner wird immer wieder von Teilnehmenden vergangener Jahre begrüsst, denn über die Jahre sind aus Gästen Freunde geworden, welche ihn auch ausserhalb des Events für Touren buchen. Einer davon ist Alex Zimmermann. Der Zürcher war schon bei der ersten Ausführung dabei. Ein Kollege habe ihn vor zehn Jahren mitgenommen und seither hält er sich die Tage frei, um in Pontresina oder Davos dabei zu sein. Er liebe die gute Stimmung, schätze die sympathischen Führer und die unkomplizierte Organisation. Man könne sich vor Ort noch für ein anderes Angebot umentscheiden oder spontan für den nächsten Tag einschreiben. «Mittlerweile sind viele meiner Freunde ebenfalls dabei», freut sich der Teilnehmer.
Er fügt an: «Über die Jahre habe ich fast alle Angebote ausprobiert und bin vom Snowboard auf Skitouren umgestiegen. Heute werde ich ein Splitboard testen und vielleicht wieder aufs Brett umsteigen. Mittlerweile sind die Tage im Engadin ein willkommener Ausgleich zum Alltag, den ich zusammen mit alten und neuen Freunden geniesse. Ich lerne jedes Mal wieder etwas dazu.» Das sei genau die Vernetzung der Freerider, welche sich die Urheber der BCW gewünscht hätten, zeigt sich Schenk zufrieden und ermuntert auch Neulinge: «Egal welches Alter und welches Niveau, bei uns kann jeder dabei sein und in seinem Tempo die Bergwelt entdecken.»