Justizreform: Polens Präsident wendet sich an Verfassungsgericht
Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht unter anderem vor, dass für Disziplinarangelegenheiten gegen Richter künftig statt des Obersten Gerichts das Oberste Verwaltungsgericht zuständig sein soll. Die Nachbesserungen sollten Polen näher an eine Freigabe von milliardenschweren Corona-Finanzhilfen bringen. Die EU-Kommission hatte die Gelder wegen Verstössen gegen die Rechtsstaatlichkeit eingefroren.
Die seit 2015 regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte das Justizwesen des Landes umgestaltet. Die EU-Kommission nahm besonders Anstoss an der 2018 eingeführten Disziplinarkammer am Obersten Gerichtshof, die jeden Richter oder Staatsanwalt entlassen konnte. Im Juli 2021 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass Polen damit gegen europäisches Recht verstösst. Im Juli 2022 wurde die Disziplinarkammer aufgelöst. Stattdessen wurde eine «Kammer für berufliche Verantwortung» am Obersten Gericht eingerichtet.