Saudischer Aussenminister erstmals wieder im Iran
Die Beziehungen beider Länder basierten «auf uneingeschränktem Respekt, Souveränität und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten», sagte Faisal bin Farhan am Samstag. Am Abend wollte er sich auch noch mit Irans Präsidenten Ebrahim Raisi treffen.
Seit vergangenem Jahr nähern sich beide Seiten auf diplomatischer Ebene vorsichtig einander an. Im Irak fanden mehrere Gesprächsrunden statt, bei denen es vor allem um Sicherheitsfragen ging. Im März gaben Teheran und Riad bekannt, wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen zu wollen. Kurz darauf kündigten die Regierungen an, wieder Flugverbindungen zwischen beiden Ländern anbieten und die Visa-Vergabe erleichtern zu wollen.
Nach einem Angriff von Demonstranten auf die saudische Botschaft in Teheran hatte Riad 2016 die diplomatischen Kontakte abgebrochen. Ihre Rivalität trugen das sunnitische Königreich sowie der mehrheitlich schiitische Iran auch bei militärischen Konflikten in der Region aus.
Riad und Teheran unterstützen etwa im Krieg im Jemen unterschiedliche Seiten. Nach der Normalisierung ihrer Beziehungen wurde die Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe im Bürgerkriegsland laut. Drei Monate später ist eine Lösung des Konflikts aber weiterhin nicht in Sicht. «Wir hoffen, dass die Rückkehr zu normalen Beziehungen zwischen den beiden Ländern positive Auswirkungen auf die Region und die Welt haben wird», betonte der saudische Aussenminister am Samstag.
Die Saudis hätten das Ringen mit dem Iran um die politische Macht in der Region verloren, kommentiert das US-amerikanische Magazin «Foreign Policy» die Entwicklung. «Die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit dem Iran ist nur ein Deckmantel für diesen Rückschlag.» Im Jemen, im Libanon und in Syrien hätten die Iraner ihren Einfluss weiter ausgebaut. Dass Irans Verbündeter Syrien wieder in die Arabische Liga aufgenommen wurde, sei der «vielleicht spektakulärste Ausdruck» von Teherans Erfolg.
Andere Experten sehen in der Annäherung hingegen einen pragmatischen Schritt der saudischen Führung, die sich auf den Ausbau ihrer Wirtschaft konzentrieren und die Bedrohung durch den Iran sowie kostspielige Konflikte in der Region vermeiden wolle. Beim Treffen sei es auch um wirtschaftliche Zusammenarbeit gegangen, teilte Faisal bin Farhan mit. Ähnlich äusserte sich auch Irans Aussenminister.
Als Gewinner der Neuordnung am Golf gilt auch China. Peking hatte die Annäherung der beiden Rivalen im Stillen vermittelt - ein grosser diplomatischer Erfolg für das Land.
Manche Beobachter sehen noch einen weiteren Nutzniesser: Russland. Moskau könne nun mit beiden Staaten die Beziehungen vertiefen, ohne Widerstand von der anderen Seite fürchten zu müssen, schreibt etwa das in Grossbritannien ansässige Online-Medium «amwaj.media». Auch die Rehabilitierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assads in der arabischen Welt im Zuge der Wiederannäherung zwischen Riad und Teheran spiele Russland in die Hände. Sie könne dazu führen, dass sich die Lage in Syrien stabilisiere und so russische Ressourcen für den Kampf in der Ukraine freigesetzt würden.