Berufungsverfahren für Aung San Suu Kyi vor Oberstem Gericht Myanmars
Erste Berufungsanträge ihrer Anwälte waren von Vorinstanzen abgewiesen worden, so dass die Anhörungen vor dem Obersten Gericht in der Hauptstadt Naypyidaw die letzte Instanz sind. Beobachter erwarten aber, dass das von der Junta kontrollierte Gericht die Anträge ablehnt.
Die Friedensnobelpreisträgerin von 1991 war bis zum Militärputsch vom Februar 2021 die De-facto-Regierungschefin des früheren Birma. Die Junta entmachtete sie und liess sie festnehmen. Später wurde sie von einem von den Generälen kontrollierten Gericht wegen zahlreicher angeblicher Verbrechen angeklagt, darunter Anstiftung zum Aufruhr und Korruption. Das letzte Urteil gegen Suu Kyi fiel Ende Dezember vergangenen Jahres. Menschenrechtler sprachen von Schauprozessen, um die mächtige Politikerin zum Schweigen zu bringen.
Nachdem sie zunächst im Hausarrest gesessen hatte, wurde sie im Juni 2022 in ein Gefängnis in Naypyidaw gebracht und sitzt dort in Einzelhaft. Ihre Anwälte wurden mit einem Redeverbot belegt. Öffentlich zu sehen war Suu Kyi zuletzt im Mai 2021, als das staatliche Fernsehen Aufnahmen von ihr im Gerichtssaal zeigte.