Kandidaten für Wahl in Italien angemeldet - Berlusconi will wieder
Die Menschen in Italien sind nach dem Rücktritt des scheidenden Regierungschefs Mario Draghi aufgerufen, am 25. September ein neues Parlament zu wählen. Das Mitte-Rechts-Bündnis aus den rechtsextremen Fratelli d'Italia, der Lega und Forza Italia, das aktuell in Umfragen führt, baut laut Beobachtern auf alte politische Versprechen, wie mehr Rente und Steuersenkungen. Bleibt es dabei könnte Fratelli-Chefin Giorgia Meloni nach Abmachung mit ihren Koalitionspartnern die erste Ministerpräsidentin Italiens werden. Viele Italiener sind aber noch unentschlossen.
Bis zum späten Montagabend hatten die Parteien Zeit, ihre Listen einzureichen. Die Besetzung führt traditionell zu Streit. Für die rechte Lega tritt etwa Claudio Durigon an, der vor gut einem Jahr mit dem Vorschlag heftige Debatten auslöste, in der Stadt Latina einen Park nach dem Bruder des faschistischen Diktators Benito Mussolini zu benennen. Die Sozialdemokraten kritisierten seine Kandidatur.
Für Forza Italia kandidiert etwa der Präsident des Fussballclubs Lazio Rom, Claudio Lotito, zum zweiten Mal für den Senat. Bei den Wahlen 2018 schaffte er die nötige Stimmenzahl nicht. Im Herbst 2021 verurteilte ihn ein Gericht zu zwei Monaten Sperre als Vereinspräsident, weil sein Club gut ein Jahr zuvor Ergebnisse positiver Corona-Tests nicht ordnungsgemäss übermittelt hatte. Bei den Sozialdemokraten (PD) rumorte es zuletzt heftig, als Politiker wegen anti-israelischer Äusserungen aus der Vergangenheit in die Kritik gerieten und ein Video mit einem dubiosen Streit zwischen mehreren PD-Politikern auftauchte. Zwei Politiker zogen in der Folge ihre Kandidatur zurück.
Das Mitte-Links-Bündnis mit den Sozialdemokraten will die Draghi-Agenda weiterführen. Die Allianz von Renzis Italia Viva zusammen mit der Partei Azione will den parteilosen Draghi gar als Regierungschef wieder ins Amt bringen. Bündnislos steht unterdessen die Fünf-Sterne-Bewegung dar. Da im Parlament rund zwei Drittel der Sitze per Verhältniswahl verteilt werden, sind die Listen der Parteibündnisse wichtiger als die der Einzelkandidaten. Das erklärt auch, warum die sehr personenzentrierten Parteien Italiens gerne ihre Chefs an die Spitze dieser Listen stellen.