Schweizer Händler wollen Steuererhöhung abfedern
von Tabea von Ow
Erstmals seit sechs Jahren klettert der Mehrwertsteuersatz wieder in die Höhe. Als Folge der vom Stimmvolk angenommenen AHV-Reform steigt der Normalsatz von bislang 7,7 auf 8,1 Prozent. Der reduzierte Satz für Lebensmittel legt von 2,5 auf 2,6 Prozent zu.
Vor ein paar Tagen kündigte der Detailhändler Aldi Schweiz gross an, er werde die Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht an seine Kundinnen und Kunden weitergeben. Insbesondere bei Lebensmitteln, wo die Steuer um 0,1 Prozentpunkte hoch geht, fällt die Erhöhung allerdings auch kaum ins Gewicht. So steigt etwa die Mehrwertsteuer bei einem halben Kilo Schweizer Cherrytomaten mit einem Verkaufspreis von knapp 5 Franken nur um rund einen halben Rappen. Bei teureren Produkten wie etwa einer Waschmaschine für 800 Franken und der etwas stärkeren Erhöhung der Steuer macht sich der Unterschied hingegen bemerkbar. In diesem Fall verteuert sich das Produkt theoretisch um rund 3 Franken. Diesen Betrag muss das Unternehmen also von der Marge streichen, wenn es ihn nicht weiterreichen möchte oder kann.
Händler stehen unter massivem Konkurrenzdruck
Aldi dürfte nicht der einzige Händler sein, der die Mehrwertsteuererhöhung selber tragen will. Der Geschäftsführer des Handelsverbands Schweiz, Bernhard Egger, geht davon aus, dass viele Händler diese Mehrkosten nicht an ihre Kunden weiterreichen werden. Das hat auch mit der Psychologie der Preisgestaltung zu tun, wie er gegenüber AWP sagt: «Vor allem wenn der Verkaufspreis ein sogenannter Grenzpreis ist – also zum Beispiel 99.00 Franken, 9.95 oder auch 4.99 – werden die Händler ihn kaum erhöhen.» Gemäss Studien aus der Verhaltenspsychologie sind Konsumenten nämlich eher bereit ein Produkt zu kaufen, wenn es statt 10.00 Franken 9.90 Franken kostet. Der Gedanke der Preispsychologie dürfte gemäss Egger von den Händlern denn auch stärker gewichtet werden als eine mögliche Margenverengung wegen der Mehrwertsteuererhöhung.
Ein weiterer Punkt ist die starke Konkurrenz unter den Anbietern. «Der Wettbewerbsdruck führt tendenziell dazu, dass die Retailer zumindest einen Teil der Mehrkosten nicht an die Endkunden weitergeben», meint die Geschäftsführerin des Verbandes Swiss Retail Federation, Dagmar Jenni.