Wahl in Sierra Leone: Oppositionsführer spricht von Attentatsversuch
Zu dem angeblichen Attentat soll es gekommen sein, als Kamara gerade eine Pressekonferenz gab, während seine Anhänger vor dem Parteigebäude feierten. Zuvor hatten sowohl die APC als auch Bios Regierungspartei SLPP den Sieg bei der Wahl von Samstag beansprucht und sich auf jeweils eigene Zahlen berufen. Offizielle Ergebnisse der Abstimmung, bei der auch Parlament und Gemeinderäte gewählt wurden, werden erst in einigen Tagen erwartet.
Die Wahl in dem Land mit etwa 8,8 Millionen Einwohnern ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den zwei grössten Parteien, die jeweils Rückhalt in verschiedenen Volksgruppen und Regionen haben. 2018 war der damalige Regierungskandidat Kamara in einer Stichwahl gegen Bio knapp unterlegen. Umfragen sahen den sehr beliebten Ex-Militär Bio auch in diesem Jahr vorne, obwohl sich die Wirtschaftslage in dem kleinen Küstenstaat deutlich verschlechtert hat. Fast zwei Drittel aller jungen Menschen sind arbeitslos. Bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten durch staatliche Sicherheitskräfte kamen im vergangenen August mehr als 20 Demonstranten und sechs Polizisten ums Leben.
Die APC vermutete bereits vor der Abstimmung Wahlmanipulation und rief zu Protesten auf. Die Stimmabgabe am Samstag wurde durch Verzögerungen beim Eintreffen des Wahlmaterials beeinträchtigt. Teils konnten Menschen deshalb nicht wählen. Der Leiter der Wahlkommission räumte dies am Sonntag ein, sagte aber, es sei nur ein kleiner Teil der Wahllokale betroffen. Er forderte die Parteien auf, ihren Anhängern keine «falschen Hoffnungen» zu machen.