Dem Pfarrer über die Schulter schauen
Der Pfarrer hält in der Kirche Predigten und leitet die Gottesdienste. Soweit ist vielen die Arbeit eines Pfarrers bekannt. Auch, dass er neben Gottesdiensten Taufen, Trauungen, Konfirmationen und Beerdigungen durchführt. Aber was macht ein Pfarrer, wenn er nicht gerade predigt oder besondere Feiern leitet?
Von Mittwoch, 3. Juli, bis Samstag, 6. Juli, kann man hautnah sehen, wie ein Pfarrer in seinem Büro arbeitet. Denn Erich Wyss, Pfarrer der Martinskirche in Chur, wird jeweils von 9 bis 12 Uhr seinen Arbeitsplatz nach draussen auf den Martinsplatz verlegen. Das sogenannte «Open Office» bietet in diesen Tagen die Möglichkeit, den Pfarrer bei der Arbeit zu besuchen und ihm über die Schulter zu schauen. «Ich werde dabei auf die Leute zugehen und werde die Inputs, die ich erhalte, in der Predigt von Sonntag, 7. Juli, verwenden», erklärt Wyss.
Als Initiant des «Open Office», das Teil der sogenannten Interventionstage ist, geht es Wyss vor allem darum, die Rolle der Kirche im öffentlichen Raum zu diskutieren. Diese Interventionstage stehen unter dem Motto «Kirche findet Stadt». Man müsse feststellen, dass Kirchen in einer Stadt dem Traditionsabbruch viel stärker ausgesetzt seien als Kirchen auf dem Land, sagt Wyss. Die Intervention gebe der Kirche in einem urbanen Umfeld ein neues Präsentationsfeld. Das Interesse für den Glauben sei nämlich auch im städtischen Raum zu entdecken, und die Intervention «Kirche findet Stadt» sensibilisiere für diesen Raum. Neben dem «Open Office» führt am Sonntag, 7. Juli, um 11 Uhr auch eine Stadtführung nach draussen zu den religiösen Symbolen der Altstadt.
Zudem wird es im Rahmen der Interventionstage ein Podium zum Thema «Die Kirche im urbanen Raum, der urbane Glaube, Zukunft und Chance?» geben. Dieses findet am Donnerstag, 4. Juli, um 18.30 Uhr in der Regulakirche statt.
Neuer Treffpunkt für die Jugend
Eine Jugendbefragung des Bundes zeigt, dass zwei Drittel der 70 000 befragten 19-Jährigen nicht gläubig oder eher nicht gläubig sind, wie Curdin Mark, Präsident der Reformierten Kirche Chur, sagt. Statt zu resignieren, gehe die Reformierte Kirche Chur auch mit dem neuen Jugendkonzept bewusst auf die Jugendlichen zu.
Die Kinder- und Jugendförderung werde ab sofort gestärkt. Etwa durch den neuen Treffpunkt, der im Comanderzentrum in Zusammenarbeit mit Jugendlichen entsteht, wie Ladina Ehrler-Scharplatz, Vizepräsidentin der Reformierten Kirche Chur, sagt. «Im Herbst sollen diese Treffen wöchentlich geöffnet sein, mit der Idee, diese Zeiten dann auch auszubauen.»