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Politik

«Ein intensives Jahr geht zu Ende»

Davoser Zeitung
31.12.2022, 17:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Als ich am 13. Januar dieses Jahres zum ersten Mal mein neues Amt ausüben durfte, war dies auch ein Zurückkommen in den Landratsaal. Pandemiebedingt hatten viele Sitzungen im Kongresshaus durchgeführt werden müssen. Jeder von uns war erleichtert, dass wir somit einen kleinen Schritt zurück in die Normalität machen durften, auch wenn das Tragen der Maske im Januar immer noch Vorschrift war.

Für mich war das vergangene Jahr eine besondere Ehre, aber auch eine Herausforderung, zu Beginn verbunden mit einer gewissen Nervosität und Anspannung – die sich aber im Laufe der Zeit rasch legte. Das vergangene Jahr hat uns alle gefordert. Die Rückkehr zur sogenannten Normalität war und ist nicht ganz so, wie wir uns dies gewünscht ­hätten. Kaum hatte das Virus etwas von seinem Schrecken verloren, brach in Europa ein Krieg aus. Waren wir nicht alle motiviert, die Erfahrungen und «learnings» der Pandemie dafür zu nutzen, konstruktiv an einer neuen Gesellschafts- und Weltordnung mitzuarbeiten? Auf den Krieg folgte die Energiekrise, was die allgemein verunsicherte Gesellschaft ­zusätzlich forderte. Doch nicht nur international steckt die Welt zur Zeit in grossen Krisen, auch hier bei uns in Davos stehen viele Probleme auf der Tagesordnung. Im Winter 2021/2022 wurde in ­letzter Minute der Spengler Cup erneut abgesagt, und das WEF wurde auf den Mai verschoben. Diese Lücken hinter­lassen an vielen Orten Spuren, finanzielle Einbussen und zum Teil nicht wieder aufzuholende Umsatzeinbussen.

Auch bei uns in den Landratssitzungen wurden immer wieder über die anstehenden Projekte, Probleme und Herausforderungen unserer Gemeinde Gespräche geführt. Diskutiert wurde über das Generationenprojekt, die Wohnungsnot in Davos, die natürlich in der Pandemie noch verstärkt wurde, aber auch das Agglomerationsprogramm hat immer wieder für sehr viel Gesprächsstoff gesorgt.

Als ich mein Amt angetreten hatte, war mir sehr wichtig – als Politikerin, aber auch als Mensch – gemeinsam für Lösungen zu kämpfen, den Dialog zu suchen und aber vor allem die Pflicht wahrzunehmen, dem Souverän gerecht zu werden, Davos weiterzubringen und keinen Stillstand zuzulassen. Der Grund, weshalb ich vor sechs Jahren in die Politik ging, war, mich aktiv einbringen zu wollen, zu versuchen, etwas zu ändern, und an der Gestaltung von Davos mitzuhelfen. Zu viele Menschen kritisieren und reklamieren – aber bringen sich nirgends in der Gemeinde ein, um wenigstens zu versuchen, auch etwas zu bewirken. Parteiübergreifende Zusammenarbeit habe ich – wo möglich – stets angestrebt, leider und jedoch fast selbstverständlich nie (ganz) erreicht … Doch genau das ist Politik – diskutieren, debattieren und auch mal nicht gleicher Meinung sein.

Die Zeiten sind sehr herausfordernd, und dies haben wir auch im Austausch im Landrat sehr gespürt. Speziell für meine Partei war und ist es eine grosse Umstellung, nach so vielen Jahren mit einem FDPler als Landammann nun von Links regiert zu werden. Die Themen polarisieren sehr. Leider ging meiner Meinung nach auch der Umgangston von allen Seiten an den letzten Sitzungen etwas verloren.

Die vergangenen Monate waren für mich politisch und persönlich eine grosse Bereicherung. Die Möglichkeit, am WEF live dabei sein zu dürfen, für Professor Klaus Schwab und seine Frau eine Rede zu halten, die Besuche an diversen Veranstaltungen und Aufträge für die Gemeinde und stellvertretend für das Parlament auszuführen, haben mich geprägt, persönlich weitergebracht und mich auch mit einem gewissen Stolz erfüllt! Ganz persönlich hat mir das WEF im Mai besser gefallen als jeweils im Januar. Der ganze Ablauf für die Teilnehmer war ­unkomplizierter, spontane Begegnungen auf der Strasse waren möglich, und es hat sich allgemein alles etwas lockerer angefühlt als in der Januarskälte mit Schnee.

Das neue Jahr wird für uns alle ein weiteres, intensives Jahr werden. Die Zeiten sind herausfordernd! Die Pandemie und ihre Folgen, Krieg, Energiekrise und Inflation! In Davos zusätzlich: Generationenprojekt, Wohnungsmangel, Verkehrskonzept, Spital, Schule und und und.

Für uns Parlamentarier wird es auch 2023 viele Debatten und Diskussionen geben. An dieser Stelle ist es mir ein grosses ­Anliegen, meinen Kolleginnen und Kollegen im Grossen und Kleinen Landrat Mut zu machen. Ich möchte alle ermuntern, dran zu bleiben. Machen Sie weiter, engagieren Sie sich, stehen Sie auf, stehen Sie zu Ihrer Meinung und resignieren Sie nie! Es ist leider so, dass unser Milizsystem an Grenzen stösst und auf engagierte Menschen und Politiker wie uns zählt.

Ich danke dem ganzen Landrat für das vergangene politische Jahr, für alles, was wir gemeinsam erreicht haben und für das, was wir noch erreichen werden! Danke der Davoser Bevölkerung für ihr Vertrauen in uns.

«Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat».

In diesem Sinne wünsche ich ihnen allen einen guten und gesunden Rutsch ins neue Jahr!

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