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Politik

Beim schnellen Internet läuft ein Graben durchs Linthgebiet

Jérôme Stern
09.09.2017, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Geschwindigkeit ist Trumpf – besonders was Internetverbindungen anbelangt. Viele Kunden möchten heute möglichst leistungsfähige Angebote – zum Surfen, Fernsehen und zum Downloaden. Ermöglichen wollen dies die Telekomanbieter mit Glasfasernetzen. Doch wer genauer hinschaut, merkt, dass es bei Glasfasernetzen riesige Leistungs-Unterschiede gibt.

Der Kompromiss der Swisscom

Die Swisscom als grösste Anbieterin hat kürzlich vollmundig angekündigt, sie wolle bis 2021 in allen Gemeinden von See-Gaster Glasfasernetze anbieten. Und damit Internetgeschwindigkeiten von 80 Mbit/s ermöglichen. Was die Firma verschweigt: Schon heute bietet UPC-Cablecom flächendeckend bis zu 500 Mbit/s.

Zudem plant die Swisscom bei ihrer Offensive keine reinen Glasfasernetze, sondern Hybridnetze, nach sogenannter FTTS oder FTTC-Methode (siehe Box). Dabei übernehmen bestehende Kupferkabel die letzten Meter zwischen Glasfaserverteilerkasten im Quartier und Wohnung.

Doch dieser Kompromiss verlangsamt die Datenübertragung erheblich. Eine reine Glasfaserleitung würde locker die zehnfache Geschwindigkeit bieten. Glasfaserleitungen in alle Wohnungen zu ziehen, wäre jedoch viel teuerer als die jetzt von der Swisscom gewählte Methode.

Benken braust davon

Benken verlegt derweil in Zusammenarbeit mit dem gemeindeeigenen Elektrizitätswerk ein Glasfasernetz, das gegenüber dem Swisscom-Netz um Lichtjahre voraus ist. 1024 Mbit/s ermöglicht die neue Internetverbindung, welche schon zur Hälfte fertig ist. Wieso bringt es die kleine Gemeinde fertig, ein solch zukunftweisendes Netz in Eigenregie anbieten zu können? «Wir hatten keine Altlasten und konnten mit einem weissen Blatt Papier anfangen», erklärt Adrian Mettler, der mit seiner Firma die Arbeiten betreut.

Grund für den Benkner Alleingang war, dass weder UPC-Cablecom noch Swisscom Interesse hatten, ihre bestehende Netze komplett auf Glasfaser zu modernisieren. «Wir hatten zwei Optionen», sagt Mettler: «Die Faust im Sack zu machen oder selber aktiv zu werden.»

Zugute kam dem Projekt, dass die Elektrizitätsversorgung Benken im Zuge der Energiewende ohnehin ein intelligentes Stromnetz inklusive Glasfasernetz plante. Die Gemeinde ergriff die Chance, sagte Ja zu zusätzlichen 2,6 Millionen Franken Investitionskosten für Highspeed-Internet.

Für Mettler ist klar, dass es für künftige Internetanwendungen zwingend einen Glasfaseranschluss braucht. «Alles andere ist Übergangstechnologie.» Zurzeit ist das Glasfasernetz zur Hälfte fertiggestellt, Anfang 2018 sollen es fertig sein. Projektleiter Mettler ist zuversichtlich, dass mindestens die Hälfte der Anwohner aufs neue Angebot umschwenken werden.

Für Rapperswil-Jona zu teuer

In Rapperswil-Jona gab es vor mehreren Jahren eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Glasfasernetz befasste. Diese kam damals zum Schluss, dass die Kosten für ein durchgehend reines Glasfasernetz zu hoch wären. «Es handelte sich um einen zweistelligen Millionenbetrag», erinnert sich Mario Göldi, IT-Verantwortlicher der Stadt. Man müsse allerdings wissen, dass Rapperswil-Jona schon heute ein grosses Glasfasernetz aufweise. Bloss reiche das halt nicht bis in die Häuser. Auf den letzten Metern gehe es mit Kupferkabeln zum Nutzer.

Swisscom-Sprecher Schädeli betont, dass das Swisscom-Angebot für die Bewohner der Stadt schon heute ausreichend sei: «Zurzeit verfügen rund 98 Prozent aller Kunden in der Stadt über eine Internetverbindung mit 10 Mbit/s», so Schädeli. Immerhin 73 Prozent könnten bereits mit 50 Mbit/s im Internet surfen. Mit den nun anvisierten 80 Mbit/s innert drei Jahren seien Kunden schon recht schnell unterwegs, findet der Swisscom-Sprecher. «Das reicht, um auf Swisscom TV Filme zu schauen, Dateien hochzuladen und gleichzeitig online zu gamen.»

Er räumt ein, dass es für die Swisscom finanziell nicht tragbar sei, jeden einzelnen Haushalt in der Stadt mit einem Glasfaseranschluss auszustatten. «Doch mittels neuesten Entwicklungen können auch Kupferkabel Leistungen ermöglichen, die wir vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten haben.»

Swisscom kann auch schnell

Interessant ist: Anders als in der Stadt realisiert Swisscom in Uznach ein reines, ultraschnelles Glasfasernetze mit 1024 Mbit/s. Dies sei dort dank der St. Gallisch-Appenzellerische Kraftwerke AG als Partner möglich. Bis 2019 soll das Netz fertig gesponnen sein. Mit demselben Partner plant die Swisscom auch für den Grossteil von Gommiswald und Eschenbach ein reines Glasfasernetz mit 1024 Mbit/s.

In Schänis und Kaltbrunn wiederum hat Swisscom ein Glasfasernetz lediglich in Hybridtechnik realisiert. Und auch in Weesen, Schmerikon und Amden plant Swisscom bis 2021 nur solche hybriden Glasfasernetze.

Bei der UPC-Cablecom liegt die Sache einfacher: Sie bietet in allen Gemeinden der Region – ausser in Amden – Internetverbindungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 500 Mbit/s an. Dafür nutzt sie ein eigenes Glasfasernetz, wobei die Feinverteilung in die Haushalte mittels Koaxialkabel in die Kabelfernsehbuchse erfolgt. Wobei, wer bei UPC volle Leistung will auch mehr bezahlt als für das langsamere Swisscom-Internet.

 

Glasfaser – eine Technik in vier Varianten

Grundsätzlich unterscheiden die Telekomanbieter vier verschiedene Arten von Glasfasernetzen: Netzwerke bis zu einem Verteilerkasten im Quartier (FTTC - Fibre to the Curb), Netze in die einzelnen Strassen (FTTS – Fibre to the Street). Diese Hybridnetze ermöglichen Internetverbindungen mit einer Geschwindigkeit von maximal 100 Mbit/s, respektive 500 Mbit/s. Dabei werden für die Feinverteilung in die einzelnen Haushalte weiterhin die alten Kupferkabel verwendet. Dies senkt die Kosten im Vergleich zu den reinen Glasfasernetzen massiv. Nachteil ist, dass FTTC oder FTTS-Netze weniger leistungsfähig sind. Glasfasernetze nach FTTB-oder FTTH- Standard (Fibre to the Building, respektive Fibre to the Home) bringen Leistungen von maximal 1024 Mbit/s und bestehen im Fall von FTTH vollständig aus Glasfasern.