Wahlen in Sachsen-Anhalt: AfD gewinnt deutlich – absolute Mehrheit verpasst
Die AfD ist klare Siegerin der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erreicht sie laut vorläufigem Ergebnis 43,8 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fällt auf 17,2 Prozent zurück. Weil die AfD die absolute Mehrheit verpasst, beginnt nun die schwierige Suche nach einer Regierung.
Sachsen-Anhalt: Vorläufiges Ergebnis der Wahlen 2026
Für die AfD bedeutet das vorläufige Eergebnis einen Sprung von 20,8 Prozent im Jahr 2021 auf 43,8 Prozent. Noch stärker fällt die Veränderung bei der CDU aus, allerdings in die andere Richtung. Sie verliert fast 20 Prozentpunkte und erzielt mit 17,2 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Dahinter folgen die SPD mit 9,3 Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent und die Linke mit 8,6 Prozent. Das BSW schafft mit 5,3 Prozent erstmals den Einzug in den Landtag in Magdeburg. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Landeschefin Lydia Hüskens kündigt ihren Rücktritt an.
Deutlich gestiegen ist die Wahlbeteiligung. 77,8 Prozent der knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. 2021 waren es 60,3 Prozent. Es ist der höchste Wert in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung.
AfD: Siegmund beansprucht Regierungsführung
AfD-Spitzenkandidat Siegmund wertet den Wahlsieg als Auftrag, eine Regierung zu bilden. «Natürlich ist es ein Regierungsauftrag», sagte der 35-Jährige. Einen möglichen Koalitionspartner sieht er derzeit nicht.
Siegmund hält es aber für möglich, bei der Wahl zum Ministerpräsidenten Unterstützung von einzelnen Abgeordneten anderer Fraktionen zu bekommen. Auch die AfD-Bundesspitze stellt sich hinter ihn. Co-Chef Tino Chrupalla kündigte an, Siegmund werde als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antreten.
Falls keine Regierung zustande kommt, bringt Siegmund eine erneute Abstimmung ins Spiel. «Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent», sagte er.
Schwierige Suche nach einer Regierung
Die AfD erhält 39 Sitze und kann nicht allein mit absoluter Mehrheit regieren. Auf die CDU entfallen 15 Mandate, SPD, Grüne und Linke erhalten jeweils acht, das BSW fünf.
Eine Koalition mit der AfD hatten die anderen Parteien vor der Wahl ausgeschlossen. Zugleich lehnt die CDU aufgrund eines Bundesparteitagsbeschlusses eine Koalition oder vergleichbare Zusammenarbeit mit der Linken ab. Ein Bündnis aller Parteien ausser der AfD hätte zwar rechnerisch eine Mehrheit, ist unter diesen Voraussetzungen aber kaum vorstellbar. Die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP kann nicht fortgesetzt werden. Ministerpräsident Schulze und sein Kabinett führen die Geschäfte weiter, bis ein neuer Regierungschef gewählt ist.
BSW offen für Gespräche mit AfD
Das BSW schliesst Gespräche mit der AfD nicht aus. Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte: «Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD.» Von der sogenannten Brandmauer gegenüber der AfD will sich die Partei nicht leiten lassen.
Unterstützung bei der Wahl des Ministerpräsidenten bedeutet das jedoch nicht. BSW-Co-Bundeschefin Amira Mohamed Ali sagte: «Wir werden genau das tun nach der Wahl, was wir vor der Wahl angekündigt haben. Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.»
Auch für die CDU beginnt nach dem Absturz eine schwierige Phase. Ministerpräsident Schulze spricht von einer Niederlage und kündigt Beratungen über das weitere Vorgehen an. Aus den eigenen Reihen gibt es bereits Forderungen nach seinem Rücktritt als Landesparteichef.
Mit Informationen von Keystone-SDA