Wahlen in den USA: Aktuelle Ergebnisse von Umfragen und Prognosen zu den Midterms | Südostschweiz
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Wahlen in den USA: Aktuelle Ergebnisse von Umfragen und Prognosen zu den Midterms
Eine Woche vor den US-Zwischenwahlen deuten aktuelle Sitzprognosen auf einen Erfolg der Demokraten hin. Besonders im Repräsentantenhaus könnte es für die Republikaner eng werden.
Am 3. November 2026 stehen in den USA die Midterms an. Bei den Zwischenwahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatssitze neu vergeben. Für US-Präsident Donald Trump steht dabei viel auf dem Spiel: Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress, könnte die Opposition seine politischen Vorhaben in den kommenden zwei Jahren deutlich stärker einschränken. Aktuelle Einschätzungen zur erwarteten Sitzverteilung zeigen, dass die Demokraten insbesondere im Repräsentantenhaus gute Chancen auf einen Machtwechsel haben.
US-Midterms 2026: Sitzprognose sieht Demokraten im Repräsentantenhaus vorne
Die Wahlplattform 270toWin rechnet in ihrer Einschätzung vom 23. Oktober 2026 mit 220 Sitzen für die Demokraten und 196 Sitzen für die Republikaner im Repräsentantenhaus. Der Ausgang von 19 weiteren Rennen gilt noch als offen. Auch eine aktuelle Wahlkreiskarte von RealClearPolitics sieht die Demokraten vorne. Sie ordnet ihnen 227 Sitze zu, den Republikanern 182. Weitere 26 Rennen gelten als offen.
Für eine absolute Mehrheit im Repräsentantenhaus sind 218 Sitze erforderlich. Sollte sich die Einschätzung von 270toWin bestätigen, würden die Demokraten die Kontrolle über die Kongresskammer übernehmen.
US-Senat: Offenes Rennen zwischen Demokraten und Republikanern
Auch im Senat zeichnet sich ein umkämpfter Wahlausgang ab. Nach der Einschätzung von RealClearPolitics vom 26. Oktober 2026 werden den Demokraten einschliesslich der ihnen nahestehenden Parteilosen 46 und den Republikanern 44 Senatssitze zugerechnet. Zehn Rennen gelten weiterhin als offen.
Die Einschätzung von 270toWin vom 23. Oktober zeigt ein etwas günstigeres Bild für die Demokraten. Demnach könnten sie gemeinsam mit den ihnen nahestehenden Parteilosen auf 49 Senatssitze kommen. Den Republikanern werden 46 Sitze zugerechnet, während fünf Rennen als offen gelten.
Anders als im Repräsentantenhaus reicht den Demokraten ein knapper Vorsprung allerdings nicht aus. Für eine eigenständige Mehrheit benötigen sie mindestens 51 der insgesamt 100 Sitze. Sollte es zu einer Sitzverteilung von 50 zu 50 kommen, könnte der republikanische Vizepräsident JD Vance bei Abstimmungen den Ausschlag geben.
Ein demokratischer Wahlsieg im Senat gilt zudem als schwieriger, weil zahlreiche republikanische Sitze in Bundesstaaten zur Wahl stehen, in denen Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 deutlich gewonnen hatte.
Wie sehen die Mehrheitsverhältnisse im Parlament derzeit aus?
Von den 435 Sitzen im Repräsentantenhaus liegen derzeit 218 in republikanischer Hand, die Demokraten haben 214. Zwei weitere sind durch Rücktritte oder Todesfälle vakant, und der Abgeordnete Kevin Kiley ist nach dem Austritt aus der Republikanischen Partei parteilos. Die hauchdünne Mehrheit der Republikaner wackelt also.
Das ohnehin knappe Rennen wird durch die Neuzeichnung von Wahlkreisen in gleich mehreren Bundesstaaten noch unberechenbarer. So wurden unter anderem in Kalifornien, Texas, North Carolina und Ohio die Wahlbezirke neu aufgestellt. Durch Änderung von Wahlkreiszuschnitten («Gerrymandering») versuchen beiden Parteien, diese zu ihren Gunsten zu verändern. In den USA gilt das Mehrheitswahlrecht: entscheidend ist nur, wer in einem Wahlkreis die Nase vorn hat.
Beim Senat sieht es anders aus. Dort stehen 22 bislang republikanische und 13 derzeit noch demokratische Sitze von insgesamt 100 wieder zur Wahl.
Wie wählen die US-Amerikaner?
Die Wahl findet oft schon Wochen vorher statt, da Millionen Amerikaner die Briefwahl nutzen. Am 3. November wählt dann der überwiegende Teil der US-Bürger. Die Wahllokale öffnen in den frühen Morgenstunden und schliessen zwischen 18.00 und 21.00 Uhr Ortszeit. Die Wähler geben ihre Stimmen dabei oft an digitalen Terminals oder per Stimmzettel ab. Die Bürger stimmen nicht nur über Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure ab, sondern teilweise auch über lokale Richter und brisante Volksentscheide.
Die Auszählung beginnt unmittelbar nach Schliessung der Wahllokale, wobei in vielen Staaten zuerst die am Wahltag persönlich abgegebenen Stimmen und erst danach die Briefwahlunterlagen verarbeitet werden, da diese zeitaufwendiger sind. Das kann im Laufe der Auszählung zu deutlichen Verschiebungen im Gesamtergebnis führen, da die Struktur der Briefwähler sich teils stark von jener der Wähler im Wahllokal unterscheidet.
Erst wenn die Wahlexperten der grossen Fernsehsender auf Basis von Wählerbefragungen und ersten Stimmauszählungen in immer mehr Staaten und Wahlkreisen Sieger ausrufen, festigt sich das Bild über die Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und Senat. Wenn es sehr knapp ist, könnte es auch mehrere Tage dauern bis klar ist, wer in den beiden Kammern vorn liegt.
In den darauffolgenden Wochen werden die amtlichen Wahlergebnisse dann von den lokalen Wahlprüfungsämtern oder dem Wahlleiter des jeweiligen Bundesstaates bestätigt. Die Amtszeit der aktuellen Kongressabgeordneten endet verfassungsgemäss am 3. Januar 2027 um 12.00 Uhr mittags. Direkt im Anschluss tritt das neu gewählte 120. Parlament zusammen. Die erste Amtshandlung des neuen Repräsentantenhauses ist die Wahl des Sprechers (Speaker of the House). Bislang ist dies der Republikaner und Trump-Vertraute Mike Johnson.
Warum sind die Kongresswahlen so bedeutend?
Die Wahlen kurz vor der Mitte der vierjährigen Amtszeit des US-Präsidenten gelten traditionell als Referendum über dessen Politik. Sie werden den Ausschlag dafür geben, wie viel politischen Spielraum Amtsinhaber Donald Trump in den kommenden gut zwei Jahren hat. Ohne Mehrheit in den beiden Kongresskammern kann ein Präsident innenpolitisch nur wenig nachhaltig verändern.
Historisch gesehen verliert die Regierungspartei bei den Zwischenwahlen fast immer Mandate im Kongress. Angesichts der mauen Zustimmungswerte für Trumps Politik wäre der Verlust einiger Sitze in beiden Parlamentskammern nicht ungewöhnlich – das war bereits häufiger in der Vergangenheit der Fall.
Mit einer Mehrheit in einer oder beiden Kongresskammern könnten die Demokraten in der Theorie Trumps Regierung stärker kontrollieren. Da die Mehrheitspartei die Vorsitzenden von Ausschüssen stellt, könnten diese Untersuchungen einleiten, Regierungsbeamte zur Aussage unter Eid vorladen und Dokumente von der Regierung anfordern.
Die Verfassung räumt zudem dem Repräsentantenhaus das Recht ein, ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) einzuleiten. Der Senat entscheidet allerdings über die tatsächliche Amtsenthebung – dafür ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.
Die Demokraten halten derzeit 45 der 100 Sitze und bekommen zumeist Unterstützung von den Parteilosen Bernie Sanders und Angus King. Um die Mehrheit zu übernehmen, müssten sie bei den Zwischenwahlen netto vier Sitze hinzugewinnen. Für eine tatsächliche Amtsenthebung Trumps wäre hingegen eine Zweidrittelmehrheit im Senat erforderlich. Dafür wären auch Stimmen republikanischer Senatoren notwendig.
Warum wird an einem Dienstag abgestimmt?
Seit 1845 werden die Wahlen am Dienstag nach dem ersten Montag im November abgehalten. In den stark landwirtschaftlich und religiös geprägten Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts fiel die Wahl aus zwei Gründen auf diesen Tag: Zum einen waren Aussaat und Ernte bereits vorüber, während der Winter noch nicht begonnen hatte. Zum anderen musste niemand an einem Gottesdienst-Sonntag die Reise zu einem Wahllokal antreten.