Unwetter setzen Südfrankreich unter Wasser – diese Regionen sind betroffen | Südostschweiz
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Unwetter setzen Südfrankreich unter Wasser – diese Regionen sind betroffen
Im Süden Frankreichs gilt wegen extremer Regenfälle die höchste Warnstufe. Schulen und Strassen sind geschlossen. Eine Live-Karte zeigt die aktuelle Wetterlage.
Ein schweres Mittelmeer-Unwetter hat in Südfrankreich Überschwemmungen ausgelöst. Besonders angespannt ist die Lage in den Départements Gard und Hérault. Météo-France hat dort am Mittwochmorgen die höchste Warnstufe Rot für Starkregen und Überflutungen ausgerufen. Innerhalb weniger Stunden gingen örtlich enorme Regenmengen nieder.
Live-Karte zeigt die aktuellen Unwetterwarnungen
Die Karte zeigt die aktuellen Unwetterwarnungen beziehungsweise die Ausbreitung der Regengebiete über Südfrankreich. Die Lage kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern.
Eine Regenradarkarte zeigt, wo derzeit besonders intensive Niederschläge auftreten. Sie stellt jedoch keine amtlich bestätigten Überschwemmungsflächen dar. Für offizielle Warnungen ist die Karte von Météo-France massgebend. Die Pegelstände und Hochwasserwarnungen der Flüsse veröffentlicht der französische Dienst Vigicrues.
In Gard und Hérault gilt die höchste Warnstufe
Am stärksten betroffen sind derzeit die Départements Gard und Hérault in der südfranzösischen Region Okzitanien. Dort gilt Warnstufe Rot für Starkregen und Überschwemmungen.
Im Hérault wurden in Moulès-et-Baucels bereits rund 140 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Der Ort liegt nördlich von Montpellier am Rand der Cevennen.
Auch die Pegelstände reagieren deutlich auf die Niederschläge. An einer Messstelle stieg der Wasserstand des Flusses Hérault innerhalb von fünf Stunden von 27 Zentimetern auf 3,34 Meter.
Der Oberlauf des Hérault wurde vom staatlichen Hochwasserdienst Vigicrues auf Warnstufe Orange gesetzt. Betroffen sind unter anderem die Bereiche um Ganges, Gignac, Laroque und Saint-André-de-Majencoules.
Diese Regionen sind von dem Unwetter betroffen
Die stärksten Regenfälle konzentrieren sich auf das Languedoc und die Cevennen. Folgende Gebiete stehen besonders im Fokus:
Gard: Höchste Warnstufe Rot; betroffen sind unter anderem die Umgebung von Nîmes, Alès und die südlichen Cevennen.
Hérault: Höchste Warnstufe Rot; besonders gefährdet sind der Norden und Osten des Départements sowie die Ebenen in Richtung Montpellier und Küste.
Lozère: Starke Regenfälle und Gewitter im Bereich der Cevennen.
Ardèche: Intensive und länger anhaltende Niederschläge vor allem im Süden des Départements.
Bouches-du-Rhône: Warnungen vor Starkregen und Gewittern betreffen auch Gebiete westlich und nördlich von Marseille.
Vaucluse und Drôme: Auch hier muss örtlich mit kräftigen Gewittern und hohen Regenmengen gerechnet werden.
Nicht alle Orte innerhalb der genannten Départements sind gleich stark betroffen. Besonders gefährlich ist die Situation dort, wo Gewitter längere Zeit an derselben Stelle bleiben oder sich das Wasser aus den Bergen in Tälern und Ebenen sammelt.
Strasse zwischen Cazilhac und Gorniès gesperrt
Im Département Hérault wurde die Departementsstrasse RD25 zwischen Cazilhac und Gorniès geschlossen. Nach Angaben des zuständigen Verkehrsdienstes kommt es auf zahlreichen weiteren Strassen zu starkem Oberflächenwasser.
Die Behörden warnen ausdrücklich davor, über überflutete Strassen zu fahren. Bereits eine vergleichsweise niedrige Wasserschicht kann ein Fahrzeug erfassen und von der Fahrbahn drücken.
Auch in mehreren Schulbezirken des Hérault bleiben die Bildungseinrichtungen geschlossen. Betroffen sind unter anderem Bereiche rund um Montpellier, Mauguio, Lunel, Ganges, Sète, Clermont-l'Hérault und Lodève.
Im benachbarten Gard wurden sämtliche Schulen für Mittwoch geschlossen. Auch Teile des öffentlichen Verkehrs beziehungsweise des Schülertransports wurden eingestellt.
Bis zu 350 Liter Regen pro Quadratmeter möglich
Météo-France rechnet in den Höhenlagen der Cevennen mit 200 bis 250 Litern Regen pro Quadratmeter. Lokal könnten über den gesamten Zeitraum sogar bis zu 350 Liter fallen.
Innerhalb einer Stunde sind Regenmengen von 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter möglich. In den tiefer gelegenen Gebieten werden verbreitet 80 bis 130 Liter erwartet. Örtlich könnten auch dort mehr als 200 Liter zusammenkommen.
Solche Niederschläge können Bäche innerhalb kurzer Zeit in reissende Flüsse verwandeln. Zusätzlich drohen Erdrutsche, Schlammlawinen und Überlastungen der Kanalisation.
Unwetter verlagert sich Richtung Osten
Die starken Regenfälle sollen auch am Donnerstag rund um den Golfe du Lion anhalten. Im Laufe des Tages dürfte sich der Schwerpunkt nach Osten verlagern.
Damit können später auch Gebiete in Richtung Provence und Marseille stärker betroffen sein. Reisende sollten vor der Abfahrt sowohl die Wetterwarnungen als auch die aktuelle Verkehrslage prüfen.
Wer sich bereits in der betroffenen Region befindet, sollte gesperrte Strassen meiden, Abstand zu Flüssen und Unterführungen halten und nicht in Keller oder Tiefgaragen hinabsteigen. Bei Warnstufe Rot empfiehlt Météo-France, möglichst zu Hause zu bleiben und auf Autofahrten zu verzichten.
Warum es in Südfrankreich so stark regnet
Bei einem sogenannten Mittelmeerereignis strömt warme und feuchte Luft vom Mittelmeer auf das französische Festland. Trifft sie auf kühlere Luft und die Gebirge im Hinterland, können sich besonders ergiebige Gewitter bilden.
Bleiben diese Gewitter über längere Zeit an derselben Stelle, fallen innerhalb weniger Stunden Regenmengen, die andernorts mehreren Monaten entsprechen. Wenn sich die Niederschläge auf die Cevennen konzentrieren, wird auch von einem Cevennen-Ereignis gesprochen.
Nach Angaben von Météo-France treten solche Mittelmeerereignisse vor allem zwischen September und Dezember auf. Der aktuelle Sturm ist der erste grössere Vorfall dieser Art in der laufenden Saison.