Trockenheit macht Schweizer Wälder zur Gefahr – Äste brechen ohne Vorwarnung
Hitze und ausbleibender Regen haben die Schweizer Wälder stark geschwächt. Äste und ganze Kronenteile können plötzlich abbrechen. Spaziergänger sollten derzeit einige Regeln beachten.
Ein Waldspaziergang gehört für viele Menschen zum Herbst dazu. Doch nach dem extrem trockenen und heissen Sommer 2026 ist derzeit besondere Vorsicht geboten: Geschwächte Bäume können Äste oder sogar grössere Teile ihrer Krone verlieren. Das Tückische daran ist, dass sich die Gefahr nicht immer rechtzeitig erkennen lässt. Nach Angaben der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL können äusserlich gesund wirkende Äste plötzlich abbrechen.
Besonders bei Wind steigt die Gefahr
Christoph Niederberger, Direktor des Verbands Wald Schweiz, rät Waldbesucherinnen und Waldbesuchern, auf offiziellen Waldwegen und Waldstrassen zu bleiben. Besonders bei stärkerem Wind bestehe eine erhöhte Gefahr, dass dürre Äste oder ganze Kronenteile herunterfallen. In diesem Fall sollte ein Waldspaziergang verschoben werden.
Zudem sind lokale Hinweise und Sperrungen unbedingt zu beachten. Besonders gefährdete Waldabschnitte können vorübergehend geschlossen werden. Wer wissen möchte, wie die Situation in einem bestimmten Gebiet aussieht, kann sich beim zuständigen Forstdienst informieren.
Auch Graubünden und die übrigen Alpenregionen sind von der aussergewöhnlichen Lage nicht grundsätzlich ausgenommen. Das aktuelle Trockenheitsbulletin des Bundes hält fest, dass die Trockenheit in den Alpen und auf der Alpennordseite wegen weitgehend ausbleibender Niederschläge anhält. Ob ein konkreter Weg betroffen ist, muss jedoch immer vor Ort beurteilt werden.
Diese Warnzeichen können auf geschwächte Bäume hinweisen
Einige Hinweise können auf einen kritischen Zustand hinweisen. Besonders vorsichtig sollte man unter grossen, alten Bäumen mit weit ausladender Krone sein.
Braune Blätter
Kahle Kronenteile
Bereits abgebrochene Äste
Eine verlässliche Diagnose können Spaziergänger allerdings nicht selbst stellen. Laut WSL können gefährdete Äste von aussen vollkommen gesund erscheinen. Eine äussere Kontrolle reicht deshalb nicht aus, um einen bevorstehenden Bruch sicher zu erkennen.
Betroffen sein können zahlreiche Laubbäume wie Buchen, Eichen, Ahorne, Kastanien und Platanen. Aber auch Nadelbäume wie Föhren können unter der anhaltenden Trockenheit Äste verlieren.
Warum Bäume plötzlich Äste abstossen
Bei Hitze und Wassermangel versuchen Bäume, ihre Verdunstungsfläche zu verkleinern. Sie werfen zunächst Blätter ab und können später auch ganze Äste verlieren. Noch nicht abschliessend geklärt ist, ob der Astabwurf bei allen Baumarten ein gezielter Schutzmechanismus ist oder teilweise auf schwere Schäden im wasserleitenden System zurückgeht.
In der Schweiz setzte die sichtbare Stressreaktion der Bäume 2026 aussergewöhnlich früh ein. Bereits im Juni verfärbten sich Blätter oder fielen noch grün zu Boden. Besonders Buchen reagieren empfindlich: Verlieren sie ihr Laub vorzeitig, endet damit für dieses Jahr auch ihre Photosynthese und ihr Wachstum.
Kurzzeitiger Regen beseitigt das Problem nicht. Während Oberflächengewässer relativ schnell reagieren, brauchen tiefere Bodenschichten und das Grundwasser länger, um sich zu erholen. Für eine nachhaltige Entspannung wären länger anhaltende, grossflächige Niederschläge notwendig.
Diese Regeln sollten Spaziergänger jetzt beachten
Wer derzeit in den Wald geht, sollte:
auf offiziellen Wegen und Waldstrassen bleiben;
lokale Warnhinweise und Sperrungen konsequent beachten;
den Wald bei stärkerem Wind meiden;
sich nicht länger unter sichtbar geschädigten oder grosskronigen Altbäumen aufhalten;
bei Unsicherheit den örtlichen Forstdienst kontaktieren.
Die Fachleute warnen nicht vor jedem Waldspaziergang. Entscheidend sind der Zustand des jeweiligen Waldes, die lokalen Vorgaben und das Wetter. Eigenverantwortung ist deshalb besonders wichtig.
Auch der Borkenkäfer bereitet den Förstern Sorgen
Neben herabfallenden Ästen drohen weitere Folgen des Trockensommers. Wald Schweiz rechnet mit einem erhöhten Risiko für einen starken Borkenkäferbefall. Geschwächte Bäume können sich schlechter gegen die Schädlinge wehren. Im schlimmsten Fall könnten grössere Zwangsholzungen notwendig werden.
Während ausgiebiger Regen den ausgetrockneten Böden helfen würde, könnte ein kalter Winter die Ausbreitung des Borkenkäfers eindämmen. Wie gross die langfristigen Schäden des Sommers 2026 tatsächlich sind, wird sich teilweise erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.
Quellen: WSL/SLF, «Trockenheit 2026: Häufige Fragen und Antworten»; Nationale Trockenheitsplattform des Bundes, Situation bis 20. September 2026