Todesfall durch «hirnfressende Amöbe»: Besteht auch in Schweizer Seen Gefahr?
Ein Todesfall im US-Bundesstaat Louisiana rückt aktuell Naegleria fowleri in den Fokus. Ein achtjähriges Mädchen hatte sich mit der seltenen Amöbe infiziert, vermutlich beim Schwimmen im Lake Claiborne. Der Erreger kann über die Nase ins Gehirn gelangen und dort eine schwere, fast immer tödlich verlaufende Entzündung auslösen. Was ist über den Erreger und seine Verbreitung in der Schweiz bekannt?
So gefährlich ist die «hirnfressende Amöbe»
Naegleria fowleri ist ein mikroskopisch kleiner Einzeller, der vor allem in sehr warmem, ungechlortem Süsswasser vorkommt. Die Amöbe vermehrt sich insbesondere bei Temperaturen über 30 Grad und kann sich bei Wassertemperaturen von bis zu etwa 45 Grad vermehren. In Meerwasser ist sie nicht als Infektionsquelle bekannt. Bei ordnungsgemäss überwachten und ausreichend chlorierten Badeanlagen ist das Risiko gering.
Zu einer Infektion kann es kommen, wenn belastetes Wasser in die Nase gelangt. Von der Riechschleimhaut kann die Amöbe über den Riechnerv ins Gehirn wandern. Durch das Verschlucken von kontaminiertem Wasser steckt man sich dagegen nicht an. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Im Gehirn kann Naegleria fowleri eine primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) verursachen. Dabei entzünden sich Gehirn und Hirnhäute, Hirngewebe wird geschädigt. Zu den ersten Beschwerden gehören unter anderem Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Später kann Nackensteifigkeit hinzukommen. Die ersten Symptome beginnen meist etwa fünf Tage nach der Exposition, können aber bereits nach einem oder erst nach bis zu zwölf Tagen auftreten. Die Erkrankung schreitet häufig rasch fort und kann zu Koma und Tod führen.
Was über das Vorkommen in der Schweiz bekannt ist
In zwei 2009 und 2010 veröffentlichten Studien wurden verschiedene Gewässer in der Schweiz auf freilebende Amöben untersucht. Dazu gehörten Seen, Flüsse, Schwimmbäder sowie Thermal- und Heilbäder. Forschende fanden auch Vertreter der Gattung Naegleria, nicht aber Naegleria fowleri.
Die Ergebnisse lassen allerdings keine Aussage darüber zu, ob die Amöbe heute grundsätzlich nirgends in der Schweiz vorkommen kann. Untersucht wurden bestimmte Gewässer und Wasserproben; ein Vorkommen an anderen Orten oder zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich nicht ausschliessen. In den veröffentlichten Untersuchungen wurde Naegleria fowleri in Schweizer Gewässern nicht nachgewiesen. Auch ein bestätigter, wissenschaftlich publizierter Schweizer Humanfall ist nicht bekannt.
Infektionen bleiben eine extreme Ausnahme
Selbst in Ländern, in denen Naegleria fowleri nachgewiesen wurde, sind Infektionen äusserst selten. In den USA wurden zwischen 1937 und 2025 insgesamt 180 Fälle diagnostiziert. Viele bekannte Infektionen traten in wärmeren Regionen auf.
Grundsätzlich kann die Amöbe auch in Europa vorkommen, insbesondere in natürlich oder künstlich stark erwärmtem Süsswasser. Aus Deutschland ist bislang kein dort erworbener Fall bekannt.