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Panorama

Strompreise 2027: Hier kostet Strom in Graubünden mehr als dreimal so viel

Die Strompreise sinken 2027 schweizweit leicht. Ein Blick nach Graubünden zeigt jedoch gewaltige Unterschiede: Je nach Gemeinde liegen mehr als 25 Rappen pro Kilowattstunde dazwischen.
Nikola Brankovic

Die neuen Stromtarife für 2027 sind da. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) hat am Dienstag die Preise der Schweizer Netzbetreiber veröffentlicht. Für die meisten Schweizer Haushalte gibt es zunächst gute Nachrichten: Der Strom wird im Mittel günstiger. Doch wie hoch die Rechnung tatsächlich ausfällt, hängt stark vom Wohnort ab.

Strom wird in der Schweiz 2027 günstiger

Ein typischer Schweizer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bezahlt 2027 im Median 26,5 Rappen pro Kilowattstunde. Im laufenden Jahr sind es noch 27,7 Rappen.

Der Strompreis sinkt damit schweizweit um rund vier Prozent. Für einen H4-Haushalt reduziert sich die jährliche Rechnung laut ElCom von 1247 auf 1194 Franken. Das sind 53 Franken weniger.

Verantwortlich dafür sind vor allem günstigere Energiekosten. Laut ElCom laufen bei vielen Versorgern besonders teure Beschaffungsverträge aus. Der Energietarif sinkt im Median um 6,28 Prozent.

Andere Bestandteile der Rechnung werden dagegen teurer. Der Netztarif steigt leicht, ebenso der Messtarif. Dieser liegt für einen typischen Haushalt 2027 im Median bei 78,48 Franken pro Jahr.

Graubünden gehört zu den teureren Kantonen

Deutlich über dem Schweizer Median liegt Graubünden. Für das Verbrauchsprofil H4 weist die ElCom-Karte für den Kanton einen Wert von 28,55 Rappen pro Kilowattstunde aus.

Zum Vergleich: Schweizweit liegt der Median bei 26,5 Rappen. Besonders günstig ist Strom in der kantonalen Betrachtung beispielsweise in Zug mit 21,15 Rappen und Nidwalden mit 21,96 Rappen.

Graubünden liegt dagegen auch über Glarus mit 26,55 Rappen, Bern mit 27,95 Rappen oder Thurgau mit 28,29 Rappen. Noch teurer ist es unter anderem in St. Gallen mit 30,11 Rappen sowie in Basel-Stadt mit 33,42 Rappen.

Doch der Blick auf den gesamten Kanton verdeckt, wie gross die Unterschiede innerhalb Graubündens tatsächlich sind.

Ferrera und Bergün Filisur trennen mehr als 25 Rappen

Besonders auffällig sind die beiden Extreme. In Ferrera zeigt die ElCom-Übersicht für 2027 einen Gesamtpreis von lediglich 10,56 Rappen pro Kilowattstunde. Ganz anders sieht es in Bergün Filisur aus. Dort sind es 36,29 Rappen pro Kilowattstunde.

Damit kostet die Kilowattstunde in Bergün Filisur mehr als dreimal so viel wie in Ferrera.

Bei einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden entspricht das rechnerisch einem Unterschied von rund 1158 Franken im Jahr: 10,56 Rappen ergeben etwa 475 Franken, 36,29 Rappen etwa 1633 Franken. Dabei handelt es sich um einen Vergleich auf Basis des ElCom-Verbrauchsprofils H4. Die tatsächliche Rechnung eines Haushalts hängt unter anderem vom konkreten Verbrauch und Tarifmodell ab.

So teuer wird Strom 2027 in Chur und anderen Bündner Gemeinden

Auch zwischen anderen Bündner Gemeinden gibt es deutliche Unterschiede.
Für Chur weist die ElCom-Übersicht 28,55 Rappen pro Kilowattstunde aus. Bei 4500 Kilowattstunden entspricht das rechnerisch rund 1285 Franken im Jahr.

In Churwalden liegt der Wert mit 29,18 Rappen noch etwas höher. Daraus ergeben sich bei gleichem Verbrauch rund 1313 Franken.
Günstiger ist es beispielsweise in Arosa mit 24,65 Rappen. Ein H4-Haushalt kommt damit rechnerisch auf rund 1109 Franken.

Besonders niedrig sind neben Ferrera auch die Werte in Andeer mit 13,56 Rappen und Avers mit 14,06 Rappen. Das entspricht bei 4500 Kilowattstunden rund 610 beziehungsweise 633 Franken.
Damit zeigt sich: Selbst innerhalb desselben Kantons kann der Wohnort einen erheblichen Unterschied bei den Stromkosten ausmachen.

Hier erhältst du eine ganze Übersicht über alle Gemeinden.

Auch im Kanton Glarus gibt es grosse Unterschiede

Nicht nur in Graubünden unterscheiden sich die Preise regional. Auch im Kanton Glarus zeigt die ElCom-Übersicht eine deutliche Spannweite.

Für Glarus Nord werden 31,58 Rappen pro Kilowattstunde ausgewiesen. In Glarus sind es 26,55 Rappen und in Glarus Süd lediglich 24,14 Rappen.

Bei einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden entspricht das rechnerisch Jahreskosten von rund 1421 Franken in Glarus Nord, 1195 Franken in Glarus und 1086 Franken in Glarus Süd.

Zwischen Glarus Nord und Glarus Süd liegen damit bei identischem Verbrauch rechnerisch rund 335 Franken pro Jahr.

Warum unterscheiden sich die Strompreise so stark?

Die grossen Unterschiede sind kein Fehler in der Karte. Laut ElCom variieren die Tarife zwischen den Netzbetreibern teilweise erheblich.

Eine wichtige Rolle spielen die unterschiedlichen Kosten für die Energiebeschaffung. Entscheidend ist beispielsweise, wie viel Energie ein Versorger selbst produziert und wann und zu welchen Konditionen Strom am Markt beschafft wurde.

Hinzu kommen Netznutzung, Messkosten, Abgaben an Kantone und Gemeinden sowie der bundesweit erhobene Netzzuschlag. Der gesamte Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Für Privathaushalte ist der Wohnort besonders relevant: Verbraucher mit weniger als 100'000 Kilowattstunden Jahresverbrauch befinden sich grundsätzlich in der Grundversorgung und können ihren Stromlieferanten nicht frei wählen.

Neue Strompreise gelten ab Januar 2027

Die rund 580 Schweizer Netzbetreiber mussten ihre Tarife für das kommende Jahr bis Ende August melden. Die ElCom hat die neuen Gemeinde- und Netzbetreiberdaten nun veröffentlicht.

Die derzeitige Übersicht entspricht dem Datenstand vom 7. September 2026. Bei einigen wenigen Netzbetreibern fehlen die Angaben noch, weil diese ihre Daten nicht fristgerecht eingereicht haben. Die ElCom rechnet deshalb jedoch nicht mit einer wesentlichen Veränderung des Gesamtergebnisses.

Die neuen Tarife gelten ab dem 1. Januar 2027.

Folgen des Iran-Kriegs

ElCom-Geschäftsführer Urs Meister sagt, dass die Strompreise in die Höhe gehen, gleichzeitig die Tendenz bei den Gaspreisen niedriger ist. Entscheidend für den Strompreis 2028 wird also sein, wie der Krieg sich entwickelt.

Quellen: ElCom Strompreise