QR-Code für WhatsApp-Gruppe im Briefkasten? Darauf solltest du achten
Einander aushelfen, einen Apéro organisieren oder Neuigkeiten aus dem Haus austauschen: Ein Gruppenchat kann das Zusammenleben erleichtern. In mehreren Liegenschaften in Winterthur und Zürich sorgen solche Einladungen jedoch für Verunsicherung. Der Grund: Es ist nicht bekannt, wer die Gruppen initiiert hat.
Wer steckt hinter den WhatsApp-Gruppen?
In die Briefkästen mehrerer Mehrfamilienhäuser wurden laut SRF Zettel mit QR-Codes eingeworfen. Wer diesen scannt, gelangt zu einer WhatsApp-Gruppe, die für den Austausch unter Nachbarinnen und Nachbarn gedacht ist.
Doch die Urheberschaft ist nicht geklärt. Zwar sind Administratoren aufgeführt, diese geben ihre Identität aber nicht preis und reagieren nicht auf entsprechende Fragen. In einem Winterthurer Haus kannte zudem niemand die junge Frau, deren Foto als Profilbild eines Admins verwendet wurde.
Das macht einige Bewohnerinnen und Bewohner misstrauisch. Sie befürchten, dass Informationen aus dem Chat in falsche Hände geraten könnten. Wer etwa jemanden sucht, der während der Ferien die Blumen giesst, gibt damit möglicherweise preis, wann die eigene Wohnung leer steht. Auch ein möglicher Missbrauch von Namen und Handynummern bereitet den Betroffenen Sorgen.
Polizei sieht bislang keine Hinweise auf Straftaten
Konkrete Hinweise darauf, dass die Gruppen für kriminelle Zwecke genutzt werden, gibt es bisher nicht. Die Kantonspolizei Zürich hält gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» fest: «Aufgrund der uns derzeit vorliegenden Informationen lässt sich keine eindeutig strafbare Handlung erkennen.»
Auch gebe es keine konkreten Hinweise, «dass über die Whatsapp-Gruppe bereits betrügerische Handlungen vorgenommen, persönliche Daten missbräuchlich verwendet oder Straftaten vorbereitet wurden.» Die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur schliessen sich dieser Einschätzung an.
Ob es sich um ein seriöses Nachbarschaftsangebot handelt oder möglicherweise missbräuchliche beziehungsweise kriminelle Absichten dahinterstehen, lässt sich laut Polizei derzeit nicht abschliessend beurteilen.
Das rät die Polizei vor dem Beitritt
Wie das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» berichtet, geben die Kantonspolizei Zürich sowie die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur im Zusammenhang mit den rätselhaften WhatsApp-Gruppen mehrere Sicherheitsempfehlungen.
Vor dem Beitritt sollte abgeklärt werden, wer die Gruppe eingerichtet hat und welchem Zweck sie dient. Die Urheberschaft sollte möglichst über eine unabhängige und vertrauenswürdige Stelle überprüft werden, etwa über die Verwaltung oder die Hauswartung.
Zudem raten die Polizeikorps dazu, die Datenschutz- und Profileinstellungen von WhatsApp zu kontrollieren. Persönliche, vertrauliche oder finanzielle Angaben sollten nicht in der Gruppe veröffentlicht werden. Auch unbekannte Links, Dateien und Zahlungsaufforderungen sollten nicht ungeprüft geöffnet beziehungsweise befolgt werden.
Bei verdächtigen Nachrichten empfiehlt die Polizei, keine Zahlungen zu leisten und weder Zugangsdaten noch Bestätigungscodes weiterzugeben. Auffällige Inhalte sollten dokumentiert werden. Betroffene können anschliessend die Gruppe verlassen und den Vorfall gegebenenfalls der Polizei melden.
Erfahrungen der Nachbarn sind unterschiedlich
Wie die Gruppen tatsächlich genutzt werden, unterscheidet sich von Haus zu Haus. In einer Winterthurer Liegenschaft verliessen die meisten Mitglieder den Chat vorsichtshalber wieder. Sie wollen stattdessen eine eigene Gruppe gründen.
In einem Mehrfamilienhaus ganz in der Nähe entwickelte sich dagegen trotz unbekanntem Administrator ein reger Austausch. Dort gibt es gemeinsame Apéros und gegenseitige Hilfe. In einer Zürcher Gruppe wiederum gab es laut einem ehemaligen Mitglied keine Aktivitäten, weshalb er wieder austrat.
Wer hinter den Gruppen steckt, bleibt weiterhin unklar. Eine Nachbarin in Winterthur sprach einen jungen Mann an, der die Zettel verteilt hatte. Dieser sagte ihr, er mache dies im Rahmen einer Abschlussarbeit. Mit solchen Nachbarschaftsgruppen habe er in Zürich bereits Erfolg gehabt. Überprüfen lässt sich seine Aussage nicht.