Psychologen zeigen: Warum wir im Zug lieber schweigen, obwohl Reden glücklicher macht
Im Zug sitzen Menschen oft dicht nebeneinander ohne ein Wort zu wechseln. Stattdessen wandert der Blick aufs Handy, ins Buch oder aus dem Fenster. Dahinter steckt offenbar auch eine Fehleinschätzung: In den Experimenten erwarteten viele Teilnehmer eine angenehmere Fahrt, wenn sie für sich blieben. Tatsächlich erlebten jedoch jene die Fahrt positiver, die mit unbekannten Mitreisenden ins Gespräch kamen.
Studie: Ein Gespräch kann die Fahrt angenehmer machen
Für ihre 2014 veröffentlichte Studie «Mistakenly Seeking Solitude» führten die Psychologen Nicholas Epley und Juliana Schroeder neun Experimente durch. Sie untersuchten Begegnungen unter anderem in Zügen, Bussen und Taxis sowie im Labor.
Bei einem Versuch mit Zugpendlern teilten die Forscher die Teilnehmer in verschiedene Gruppen ein. Einige sollten sich mit einer unbekannten Person unterhalten, andere für sich bleiben. Eine dritte Gruppe sollte sich wie auf einer gewöhnlichen Fahrt verhalten. Diejenigen, die ein Gespräch führten, bewerteten ihre Fahrt anschliessend positiver als jene, die allein blieben. Bei einem Versuch mit Buspassagieren zeigte sich dieses Muster ebenfalls.
Auch bei der selbst eingeschätzten Produktivität zeigte sich kein signifikanter Nachteil durch das Gespräch. Das galt sowohl für die Zug- als auch für die Busfahrt.
Warum sprechen wir Fremde trotzdem so selten an?
Einen Hinweis lieferten weitere Versuche. Die Teilnehmer schätzten ihr eigenes Interesse an einem Gespräch höher ein als das Interesse, das sie bei anderen vermuteten. Im Bus gingen sie beispielsweise davon aus, dass weniger als 45 Prozent der Mitreisenden bereit wären, sich mit ihnen zu unterhalten.