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Panorama

Neue Weltkarte: Das steckt dahinter

Eine UN-Resolution wirbt für flächentreue Karten, welche die Grössenverhältnisse der Kontinente anders wiedergeben als die bisher weit verbreitete Mercator-Projektion. Was ist der Hintergrund?
David Hahn

Die UN-Generalversammlung hat mit 164 Stimmen eine Resolution unterstützt, die den Einsatz flächentreuer Karten fördern soll. Sechs Staaten enthielten sich, die USA stimmten als einziges Land dagegen. Einen verbindlichen neuen Weltkarten-Standard hat die UN damit jedoch nicht beschlossen.

Auf der Weltkarte in der Projektion «Equal Earth» fällt vor allem eines auf: Afrika wirkt im Verhältnis zu Grönland, Europa und Nordamerika deutlich grösser als auf der Darstellung, die viele aus der Schule kennen. Das liegt nicht an veränderten Grenzen, sondern an der Methode, mit der die annähernd kugelförmige Erde auf eine Ebene übertragen wird.

Weltkarte: Darum wirkt Afrika auf bekannten Karten so klein

Die bis heute weit verbreitete Mercator-Projektion stammt aus dem Jahr 1569. Der Kartograf Gerardus Mercator konzipierte seine Weltkarte insbesondere für die Navigation. Ihr Vorteil: Kurse mit gleichbleibender Kompassrichtung lassen sich darauf als gerade Linien einzeichnen.

Für den Vergleich von Flächen eignet sich die Mercator-Projektion dagegen schlecht. Die Flächenverzerrung nimmt mit zunehmender geografischer Breite stark zu. Dadurch erscheinen Regionen in höheren Breiten, etwa Grönland sowie Teile Europas und Nordamerikas, im Verhältnis zu äquatornäheren Gebieten überproportional gross.

Besonders anschaulich ist der Vergleich mit Grönland. Auf einer Mercator-Weltkarte kann die Insel annähernd dieselben Dimensionen wie Afrika einnehmen. Tatsächlich umfasst Afrika rund 30,4 Millionen Quadratkilometer, Grönland etwa 2,2 Millionen. Afrika ist damit rund 14-mal so gross.

Vollständig vermeiden lassen sich Verzerrungen auf einer flachen Weltkarte nicht. Bei der Übertragung der gekrümmten Erdoberfläche auf zwei Dimensionen müssen Kartografen Kompromisse eingehen. Je nach Projektion werden beispielsweise Formen, Flächen, Entfernungen, Winkel oder Richtungen unterschiedlich stark verzerrt.

Was «Equal Earth» anders macht

Die UN will Mercator nicht verbieten und hat auch keine einzelne Kartenprojektion als verbindlichen neuen Standard festgelegt. Die von Togo im Namen der afrikanischen Staatengruppe eingebrachte und von der Afrikanischen Union unterstützte Resolution wirbt vielmehr für flächentreue Karten, wenn tatsächliche Grössenverhältnisse von Bedeutung sind. Der Aufruf richtet sich unter anderem an Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen.

Eine ausdrücklich genannte Projektion ist «Equal Earth». Sie wurde 2018 von den Kartografen Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny vorgestellt. Equal Earth ist flächentreu: Gleich grosse Gebiete auf der Erde werden auf der Karte auch gleich gross dargestellt. Die Flächenverhältnisse von Ländern und Kontinenten bleiben damit korrekt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Equal Earth völlig verzerrungsfrei wäre. Auch diese Projektion muss bei der Darstellung einer gekrümmten Oberfläche auf einer Ebene Kompromisse eingehen. Sie erhält die Flächenverhältnisse, verzerrt dafür aber beispielsweise Formen. Im Vergleich mit Mercator verlieren Regionen in hohen Breiten ihre starke optische Überbetonung der Fläche.

Weshalb sich die UN mit dem Thema beschäftigt

Togo, die Afrikanische Union und weitere Befürworter der Initiative sehen in der Wahl einer Kartenprojektion nicht nur eine technische Frage. Karten können beeinflussen, wie Menschen die Grösse und Bedeutung verschiedener Weltregionen wahrnehmen, etwa in der Schule, in Medien oder in der Politik.

Nach Ansicht der Befürworter hat die jahrhundertelange Verbreitung der Mercator-Projektion dazu beigetragen, die tatsächliche Dimension Afrikas im Verhältnis zu anderen Regionen zu unterschätzen. Die Initiative verbindet die Frage der Kartendarstellung deshalb auch mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Würde und Gleichberechtigung.

Togos Aussenminister Robert Dussey sprach nach der Abstimmung von einem «historischen Moment». Vor der Abstimmung brachte er das Anliegen der Initiative mit den Worten auf den Punkt: «A fair map does not change the geography of the world, it changes how we see the world.» Eine faire Karte verändere also nicht die Geografie der Welt, sondern die Art, wie wir sie wahrnehmen.

Die USA lehnten die Resolution ab und bezeichneten sie als Teil eines grösseren «radikalen ideologischen Projekts». Frankreich schlug dagegen einen anderen Weg ein: Aussenminister Jean-Noël Barrot kündigte an, die Mercator-Projektion nicht mehr standardmässig für Weltkarten der französischen Diplomatie zu verwenden. Statt sie pauschal durch eine einzige andere Projektion zu ersetzen, solle künftig je nach Verwendungszweck eine geeignete Kartendarstellung gewählt werden.

Die bekannte Karte verschwindet nicht

Die UN-Resolution ist nicht bindend. Sie schreibt keine bestimmte Weltkarte vor und macht die Mercator-Projektion auch nicht überflüssig. Für die Navigation besitzt Mercator weiterhin jene Eigenschaften, für die die Projektion ursprünglich entwickelt wurde.

Welche Darstellung sinnvoll ist, hängt deshalb vom jeweiligen Zweck ab. Geht es um den Vergleich von Länder- und Kontinentflächen, gibt Equal Earth deren Grössenverhältnisse korrekt wieder. Afrika wird dabei nicht künstlich vergrössert. Vielmehr entfällt die für Mercator typische Verzerrung der Flächenverhältnisse in höheren Breiten.

Die ungewohnte Darstellung ist damit nicht «richtiger» in jeder Hinsicht. Sie beantwortet eine bestimmte Frage besser: Wie gross sind Länder und Kontinente tatsächlich im Verhältnis zueinander?