Neue PISA-Studie: Schweizer Schüler schneiden stark ab – doch es gibt ein Problem
Gute Nachrichten für das Schweizer Bildungssystem – zumindest auf den ersten Blick. Die am Dienstag veröffentlichte PISA-Studie 2025 zeigt, dass 15-Jährige in der Schweiz im internationalen Vergleich weiterhin gut bis sehr gut abschneiden. Doch die neuen Zahlen zeigen auch zwei Schwachstellen.
Schweizer Schüler gehören in Mathematik zu den Besten
In Mathematik erreichen die Jugendlichen aus der Schweiz durchschnittlich 499 Punkte. Der OECD-Durchschnitt liegt lediglich bei 463 Punkten.
Innerhalb der OECD schneiden sogar nur drei Länder besser ab als die Schweiz. Betrachtet man alle 91 teilnehmenden Länder und Regionen, liegt die Schweiz ebenfalls weit vorne. Auch in den Naturwissenschaften fällt das Ergebnis positiv aus. Hier erreicht die Schweiz 501 Punkte gegenüber 482 Punkten im OECD-Durchschnitt.
Beim Lesen ist der Vorsprung geringer: Schweizer Jugendliche kommen auf 470 Punkte, der OECD-Schnitt liegt bei 461 Punkten.
Besonders gut schneidet die Schweiz ausserdem in einer neuen Kategorie ab. Beim erstmals untersuchten modellbasierten Problemlösen erreichen die Jugendlichen 520 Punkte. Auch hier liegt der OECD-Durchschnitt mit 500 Punkten tiefer.
Für die PISA-Studie 2025 wurden weltweit mehr als 760'000 15-Jährige aus 91 Ländern und Volkswirtschaften untersucht. In der Schweiz nahmen rund 7600 Jugendliche aus 275 Schulen teil.
Doch beim Lesen und Rechnen werden die Ergebnisse schlechter
Trotz der guten internationalen Platzierung gibt es einen klaren Negativtrend.
In Mathematik sank das Schweizer Ergebnis gegenüber der letzten PISA-Erhebung von 2022 um neun Punkte. Beim Lesen beträgt der Rückgang sogar 13 Punkte.
Damit setzt sich eine längerfristige Entwicklung fort. Während die Leistungen in den Naturwissenschaften in der Schweiz über die vergangenen zehn Jahre weitgehend stabil geblieben sind, gehen sie in Mathematik und beim Lesen zurück.
Allerdings ist die Schweiz damit nicht allein. Auch im OECD-Durchschnitt verschlechtern sich die Ergebnisse. Die OECD verzeichnete bei PISA 2025 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sogar die bislang niedrigsten Durchschnittswerte.
Soziale Herkunft macht einen grossen Unterschied
Noch ein zweites Ergebnis bereitet den Bildungsverantwortlichen Sorgen. Wie erfolgreich Jugendliche in der Schule sind, hängt weiterhin deutlich von ihrer sozialen Herkunft ab.
In den Naturwissenschaften liegen zwischen dem sozial am stärksten und dem am stärksten benachteiligten Viertel der Schweizer Jugendlichen durchschnittlich 99 PISA-Punkte. Im OECD-Durchschnitt beträgt diese Differenz 84 Punkte.
Der sozioökonomische Hintergrund erklärt in der Schweiz 13,6 Prozent der Unterschiede bei den Leistungen in den Naturwissenschaften. Im OECD-Durchschnitt sind es 11,6 Prozent.
Auch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation bezeichnet das Erreichen des Mindestkompetenzniveaus deshalb als Herausforderung – insbesondere für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler.
Neben der sozialen Herkunft spielen laut der Schweizer Auswertung auch die zu Hause gesprochene Sprache und der Migrationshintergrund eine Rolle.
Schweizer Jugendliche nutzen häufiger KI für die Schule
Die neue PISA-Studie hat erstmals auch genauer untersucht, wie Jugendliche künstliche Intelligenz einsetzen. Dabei fällt die Schweiz auf: Schweizer Jugendliche nutzen KI für schulische Aufgaben signifikant häufiger als Jugendliche im OECD-Durchschnitt.
69 Prozent der befragten Jugendlichen geben zudem an, im Unterricht gelernt zu haben, Informationen von KI-Systemen zu beurteilen. Im OECD-Durchschnitt sind es 62,6 Prozent.
Auch Smartphones und soziale Netzwerke nehmen viel Raum im Alltag ein. Fast die Hälfte der Schweizer Schülerinnen und Schüler verbringt an Wochentagen täglich zwischen einer und drei Stunden in sozialen Netzwerken. Rund ein Drittel kommt sogar auf mehr als drei Stunden.
Was bedeutet die neue PISA-Studie für die Schweiz?
Die Ergebnisse zeichnen damit ein zweigeteiltes Bild. Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz weiterhin zu den leistungsstarken Bildungssystemen. Besonders in Mathematik ist der Abstand zum OECD-Durchschnitt beträchtlich.
Gleichzeitig sollte die gute Platzierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Leistungen beim Lesen und Rechnen seit Jahren nachlassen. Hinzu kommen die grossen Unterschiede zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen.
Die Schweiz steht damit vor einer besonderen Herausforderung: Sie muss nicht nur ihre international guten Ergebnisse halten, sondern gleichzeitig verhindern, dass ein wachsender Teil der Jugendlichen beim Mindestniveau den Anschluss verliert.
Deutschland fällt bei PISA weiter zurück
Ein Blick ins Nachbarland zeigt, wie stark die Schweizer Ergebnisse im internationalen Vergleich tatsächlich sind. Deutschland erreicht bei der neuen PISA-Studie in allen drei klassischen Kompetenzbereichen nur noch Werte rund um den OECD-Durchschnitt.
Besonders gross ist der Abstand zur Schweiz in Mathematik. Während Schweizer Jugendliche durchschnittlich 499 Punkte erreichen, sind es in Deutschland lediglich 464 Punkte. In den Naturwissenschaften kommt die Schweiz auf 501 Punkte, Deutschland auf 486. Beim Lesen fällt der Unterschied mit 470 zu 465 Punkten deutlich kleiner aus.
Besorgniserregend ist für Deutschland vor allem die Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Die Ergebnisse von 2025 sind in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte, die für Deutschland seit Beginn der PISA-Erhebungen gemessen wurden. Sie liegen damit sogar unter dem Niveau der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren.