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Panorama

Müde, aber du gehst trotzdem nicht schlafen? Das steckt laut Psychologie dahinter

Du bist müde, könntest ins Bett gehen und bleibst trotzdem wach. Forschende nennen dieses Verhalten «Bedtime Procrastination» und sehen dahinter mehr als mangelnde Selbstdisziplin.
David Hahn
vor 52 Minuten

Der Wecker klingelt früh, die Augen fallen bereits zu. Trotzdem läuft noch eine Folge oder der Daumen scrollt weiter durchs Handy. Wer ohne äusseren Grund später ins Bett geht als beabsichtigt, betreibt laut Forschung «Bedtime Procrastination». Was steckt dahinter?

Warum wir das Schlafengehen aufschieben

Eine der ersten Studien dazu erschien 2014. Ein Forschungsteam um die Psychologin Floor Kroese befragte 177 Erwachsene. Dabei zeigte sich: Menschen mit niedrigeren Werten bei Merkmalen der Selbstregulation berichteten häufiger von Bedtime Procrastination. Diese wiederum hing mit selbstberichteter unzureichender Schlafmenge zusammen.

Ein Erklärungsansatz sieht beim Schlafaufschub einen Konflikt zwischen kurzfristigen Bedürfnissen und dem langfristigen Ziel, genügend zu schlafen. Wach zu bleiben kann im Moment attraktiver erscheinen, während sich der Nutzen des Schlafs erst später bemerkbar macht.

Eine Meta-Analyse von 43 Studien fand ebenfalls einen moderaten Zusammenhang zwischen Bedtime Procrastination und geringerer Selbstkontrolle. Wer das Zubettgehen häufiger aufschob, berichtete tendenziell auch von kürzerem und schlechterem Schlaf sowie mehr Müdigkeit am Tag.

Doch Selbstkontrolle erklärt das Verhalten nicht vollständig. Neuere Forschung untersucht deshalb verschiedene Formen und Motive des Schlafaufschubs. Menschen können das Zubettgehen bewusst hinauszögern oder bei einer anderen Tätigkeit die Zeit aus den Augen verlieren. Auch Emotionsregulation, Belohnung, soziale Bedürfnisse und der Wunsch nach Zeit für sich werden als mögliche Motive untersucht.

Auch die innere Uhr spielt eine Rolle

Menschen mit einem ausgeprägteren Abendchronotyp bevorzugen tendenziell spätere Schlaf- und Wachzeiten. Studien zeigen, dass ein Abendchronotyp auch mit stärkerer Bedtime Procrastination zusammenhängt. Das bedeutet nicht, dass die innere Uhr allein für den Schlafaufschub verantwortlich ist. Vielmehr kann sie einer von mehreren Faktoren sein.

Wenn die Nacht zur persönlichen Freizeit wird

Eine weitere mögliche Erklärung betrifft das Bedürfnis nach eigener Zeit. In diesem Zusammenhang wird auch von «Revenge Bedtime Procrastination» gesprochen. Gemeint ist das bewusste Hinauszögern des Schlafs, um sich am Ende des Tages noch persönliche Zeit zu verschaffen.

Insgesamt ergibt sich kein einzelner psychologischer Grund dafür, warum Menschen trotz Müdigkeit wach bleiben. Neben Selbstkontrolle und Chronotyp kommen auch weitere psychologische, biologische, situative und verhaltensbezogene Einflüsse infrage. Da ein grosser Teil der Forschung Zusammenhänge untersucht, lässt sich daraus jedoch nicht automatisch auf Ursache und Wirkung schliessen.

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