Du bist müde, aber gehst nicht schlafen: Das steckt laut Psychologie dahinter
Nur noch kurz die Nachrichten checken, ein Video anschauen oder etwas in der Wohnung erledigen – und plötzlich ist es deutlich später als geplant. Wer seine Schlafenszeit immer wieder ohne äusseren Grund hinauszögert, zeigt ein Verhalten, das Forschende als «Bedtime Procrastination» bezeichnen.
Warum wir das Schlafengehen aufschieben
Eine der ersten Studien dazu erschien 2014. Ein Forschungsteam um die Psychologin Floor Kroese befragte 177 Erwachsene. Dabei zeigte sich: Menschen mit niedrigeren Werten bei Merkmalen der Selbstregulation berichteten häufiger von Bedtime Procrastination. Diese wiederum hing mit selbstberichteter unzureichender Schlafmenge zusammen.
Ein Erklärungsansatz sieht beim Schlafaufschub einen Konflikt zwischen kurzfristigen Bedürfnissen und dem langfristigen Ziel, genügend zu schlafen. Wach zu bleiben kann im Moment attraktiver erscheinen, während sich der Nutzen des Schlafs erst später bemerkbar macht.
Eine Meta-Analyse von 43 Studien fand ebenfalls einen moderaten Zusammenhang zwischen Bedtime Procrastination und geringerer Selbstkontrolle. Wer das Zubettgehen häufiger aufschob, berichtete tendenziell auch von kürzerem und schlechterem Schlaf sowie mehr Müdigkeit am Tag.
Doch Selbstkontrolle erklärt das Verhalten nicht vollständig. Neuere Forschung untersucht deshalb verschiedene Formen und Motive des Schlafaufschubs. Menschen können das Zubettgehen bewusst hinauszögern oder bei einer anderen Tätigkeit die Zeit aus den Augen verlieren. Auch Emotionsregulation, Belohnung, soziale Bedürfnisse und der Wunsch nach Zeit für sich werden als mögliche Motive untersucht.
Auch die innere Uhr spielt eine Rolle
Menschen mit einem ausgeprägteren Abendchronotyp bevorzugen tendenziell spätere Schlaf- und Wachzeiten. Studien zeigen, dass ein Abendchronotyp auch mit stärkerer Bedtime Procrastination zusammenhängt. Das bedeutet nicht, dass die innere Uhr allein für den Schlafaufschub verantwortlich ist. Vielmehr kann sie einer von mehreren Faktoren sein.