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Panorama

Diese Hautkrankheit betrifft meist Tiere – jetzt gibt es Fälle bei Menschen in der Schweiz

Dermatophilose kommt vor allem bei Tieren vor, beim Menschen wurde sie bislang nur selten festgestellt. In Basel sind sechs Fälle bekannt, vier davon wurden in der Schweiz erworben.
David Hahn

Dermatophilose, bei Tieren auch als «Regenfäule» bekannt, wird inzwischen auch bei Menschen in mehreren europäischen Ländern festgestellt. Die bakterielle Hautkrankheit wird durch Dermatophilus congolensis verursacht und führt beim Menschen meist zu örtlich begrenzten Hautveränderungen. Bis zum 20. August 2026 waren 126 Fälle in zehn europäischen Ländern bekannt. Dazu gehört auch die Schweiz.

«Regenfäule»: Sechs Fälle in Basel – vier ohne Reisebezug

In Basel wurden zwischen Mai 2025 und März 2026 sechs Infektionen festgestellt. Der erste Patient hatte zuvor an einem Muay-Thai-Trainingscamp in Thailand teilgenommen. Ein weiterer Betroffener war vor seiner Erkrankung in Indonesien gewesen.

Bei den übrigen vier Männern gibt es dagegen keinen solchen Reisebezug. Ihre Infektionen gelten als lokal erworben. Die vier Männer berichteten auch über keinen Tierkontakt. Bei ihnen traten follikulitisähnliche Hautveränderungen im Genital- oder Leistenbereich auf.

Untersuchungen des Erbguts der Bakterien zeigen, dass die Basler Erreger zu einer menschenassoziierten Linie gehören und eng mit Isolaten aus Frankreich verwandt sind. Die Ergebnisse stützen eine mögliche Übertragung zwischen Menschen, lassen aber keine sicheren Rückschlüsse darauf zu, wie sich die einzelnen Patienten angesteckt haben. Auch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) weist darauf hin, dass Übertragungswege beim Menschen noch nicht ausreichend geklärt sind und genetische Daten allein keine einzelnen Infektionsketten bestätigen können

Übertragung: Enger Hautkontakt gilt als wahrscheinlich

Viele der bisher bekannten europäischen Fälle betreffen Männer, die Sex mit Männern haben. Bei mehreren bestand ein Zusammenhang mit Saunas oder anderen Orten für sexuelle Begegnungen. Insbesondere der Besuch von Adult-Saunas wurde bei Betroffenen häufig festgestellt. Daneben sind Infektionen im Umfeld von Kampfsport aufgetreten. Das ECDC nennt etwa Fälle in Norwegen mit einer Exposition beim Kampfsport in Norwegen oder Thailand.

Direkter Hautkontakt gilt derzeit als wahrscheinlichster Übertragungsweg zwischen Menschen. Eine indirekte Ansteckung über kontaminierte Gegenstände oder Oberflächen lässt sich jedoch nicht ausschliessen.

Feuchte Bedingungen, wie sie etwa in Saunas und Spas herrschen, könnten die Freisetzung und das Überleben infektiöser Zoosporen begünstigen. Welche Bedeutung dies tatsächlich für die Übertragung zwischen Menschen hat, ist noch offen.

Symptome: So zeigt sich Dermatophilose beim Menschen

Die Infektion kann sich durch Papeln, Pusteln, Krusten oder follikulitisähnliche Hautveränderungen bemerkbar machen. Auch schuppende oder juckende Stellen wurden beobachtet. Betroffen waren bei den europäischen Fällen unter anderem der Genitalbereich und das Gesicht.

Die bisher bekannten Erkrankungen verliefen überwiegend mild. Bei den vom ECDC untersuchten Ausbrüchen musste niemand hospitalisiert werden, Komplikationen wurden nicht dokumentiert. Die Patienten sprachen gut auf Antibiotika an. Vereinzelt heilte die Infektion auch ohne Behandlung ab.

Die Bestimmung des Erregers ist nicht immer eindeutig. MALDI-TOF kann in einzelnen Fällen kein klares Ergebnis liefern. Dann können weiterführende Verfahren wie eine 16S-Analyse oder eine Genomsequenzierung erforderlich sein. Das ECDC führt MALDI-TOF grundsätzlich als eine Methode zur Identifikation von D. congolensis auf.

Risiko für die Bevölkerung bleibt sehr gering

Für die Allgemeinbevölkerung schätzt das ECDC das Risiko als sehr gering ein. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion gilt als sehr gering, ebenso die Auswirkungen der Erkrankung aufgrund der bisher überwiegend milden Verläufe.

Die neuen Fälle bedeuten somit nicht, dass sich Dermatophilose derzeit breit in der Bevölkerung ausbreitet. Hinweise auf eine weitverbreitete Übertragung durch alltägliche soziale Kontakte oder eine anhaltende Ausbreitung innerhalb von Haushalten liegen bislang nicht vor.

Wer entsprechende Hautveränderungen entwickelt, sollte engen körperlichen und sexuellen Kontakt bis zum vollständigen Abheilen vermeiden. Zudem empfiehlt das ECDC, persönliche Gegenstände wie Handtücher, Kleidung oder Bettwäsche nicht gemeinsam zu benutzen. Kondome allein verhindern eine Übertragung nicht, da unbedeckte Haut weiterhin direkten Kontakt haben kann.

Noch fehlen Antworten auf wichtige Fragen. So ist nicht bekannt, wie lange Infizierte ansteckend sind und welche Rolle kontaminierte Oberflächen bei der Weitergabe zwischen Menschen spielen. Möglicherweise werden zudem nicht alle Infektionen erkannt. Das ECDC verweist unter anderem auf die geringe Bekanntheit der Erkrankung und die oft milden, unspezifischen Beschwerden.


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