620 Franken pro Jahr: So viel Essen werfen Schweizer in den Abfall
Brot vom Vortag, vergessenes Gemüse im Kühlschrank oder ein Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist: Was im Alltag nach kleinen Mengen aussieht, summiert sich über ein ganzes Jahr. In der Schweiz werden pro Person Lebensmittel im Einkaufswert von rund 620 Franken verschwendet, wie Too Good To Go anlässlich der Nationalen Woche gegen Food Waste vorrechnet.
30 Millionen Mahlzeiten könnten gerettet werden
Seit Samstag, 12. September, läuft erstmals die Nationale Woche gegen Food Waste. Bis zum 20. September beteiligen sich zahlreiche Organisationen, Kantone, Gemeinden und Unternehmen an Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung.
Die Dimension zeigt eine weitere Zahl: Würden die Schweizer Haushalte nur eine Woche lang keine Lebensmittel wegwerfen, könnten laut den Organisatoren rechnerisch rund 30 Millionen Mahlzeiten gerettet werden.
Über die gesamte Lebensmittelkette ist das Problem noch deutlich grösser. Nach Angaben des Bundesamts für Umwelt entstehen aufgrund des Schweizer Lebensmittelkonsums jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittelverluste. Das entspricht etwa 310 Kilogramm vermeidbaren Lebensmittelverlusten pro Person und Jahr – berücksichtigt werden dabei sämtliche Stufen vom Acker bis auf den Teller.
Ausgerechnet kurz vor der Ernährungsabstimmung
Die Aktionswoche fällt in eine politisch brisante Phase. Am 27. September entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Ernährungsinitiative. Sie fordert unter anderem, dass die Schweiz künftig mindestens 70 Prozent der konsumierten Lebensmittel selbst produziert.
Aktuell liegt der Netto-Selbstversorgungsgrad deutlich darunter. Für 2024 weist der Bund einen Wert von rund 42 Prozent aus. Um die Selbstversorgung zu erhöhen, sollen nach Vorstellung der Initianten künftig unter anderem mehr pflanzliche Lebensmittel direkt für Menschen und weniger Futtermittel für Tiere produziert werden. Die Vorgaben müssten innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden.
