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Was antike Schuhnägel über den Römerturm in Filzbach aussagen

Im Frühling haben Archäologie-Studierende aus Basel beim Römerturm in Filzbach gegraben. Kürzlich haben sie ihre Forschungsergebnisse vorgestellt.

Südostschweiz
16.12.22 - 04:30 Uhr
News

von Julia Rhyner-Leisinger

Die Forschungen über den Römerturm in Filzbach laufen auf Hochtouren. Der Römerturm und die beiden Wachtürme auf Stralegg in Betlis und dem Biberlichopf in Ziegelbrücke gehören zu den ältesten römischen Steinbauten im Gebiet der heutigen Schweiz. Sie wurden um 15 vor Christus unter dem ersten römischen Kaiser Augustus erbaut. Obschon von nationaler Bedeutung, fristeten die drei römischen Wachtürme in den letzten Jahrzehnten ein tristes Dasein. Über der Ruine in Filzbach steht ein 150 Jahre altes, verlassenes Wohnhaus. Lediglich eine Tafel weist auf die historische Bedeutung hin.

Gegraben wurde zuletzt vor sechzig Jahren. Damals hatte man die Bedeutung der römischen Militäranlagen erfassen können, viele Fragen blieben aber seither unbeantwortet. Nun ist der Römerturm in Filzbach erneut in den Fokus der Forschung geraten. Professor Peter-Andrew Schwarz von der Universität Basel präsentierte in einem Referat vor dem Historischen Verein des Kanton Glarus kürzlich die neuesten Funde und Ergebnisse.

Ausgelöst wurden die archäologischen Untersuchungen durch ein Bauvorhaben der Familie Gmür vom Hotel «Römerturm». Dieses sieht vor, das Haus über der römischen Ruine abzubrechen und durch einen Neubau mit Wohneinheiten zu ersetzen. Die archäologischen Überreste sollen der Öffentlichkeit in einem «Kellermuseum» zugänglich gemacht werden.

Die gleichen Nägel wie auf dem Septimer gefunden

In Zusammenarbeit mit der kantonalen Hauptabteilung Kultur und dem eidgenössischen Bundesamt für Kultur führte ein Team von Basler Archäologie-Studierenden unter der örtlichen Leitung von Natalie Hertig im Frühling 2022 eine Woche lang Ausgrabungen durch – und stiess auf interessante Funde. Im Keller des alten Wohnhauses wurde beispielsweise der 2000 Jahre alte römische Fussboden aus Mörtel gefunden.

Zu den Fundstücken zählen auch Tonscherben, Waffen und Schuhnägel römischer Sandalen. Gerade letztere liefern bedeutende Hinweise für die Datierung der Militäranlage. Dieselben Schuhnägel hat man auch auf einem römischen Militärlager auf dem Septimer gefunden, welches 2008 freigelegt wurde. Und auch auf dem «Schlachtfeld» bei der Crap Ses kamen 2021/2022 dieselben Nägel zum Vorschein.

Sie unterstützen die These, dass die Walensee-Wachtürme mit dem Alpenfeldzug im Jahr 15 vor Christus in Verbindung stehen. Während dieses Alpenfeldzugs unterwarfen Tiberius und Drusus, die Adoptivsöhne von Kaiser Augustus, die mittleren Alpen und das Alpenvorland.

Bisher ist man davon ausgegangen, dass ein östlicher Feldzug durch Drusus und ein westlicher Feldzug durch Tiberius erfolgt ist. Die neuesten Funde zeigen jedoch, dass auch ein weiterer, dritter Vorstoss durch die Zentralalpen unter L. Calpurnius Piso erfolgte.

So tragen also die römischen Schuhnägel in Filzbach dazu bei, den historisch überlieferten Alpenfeldzug auch archäologisch nachzuweisen.

Zusammen mit den Ausgrabungsunterlagen der 1960er Jahre, die erst kürzlich im Nachlass der damaligen Grabungsleiter Fritz Legler-Staub (1908-1986) und Professor Laur-Belart (1898-1972) gefunden wurden, liefern die aktuellen Untersuchungen wichtige Hinweise über das strategische Konzept der Walensee-Türme.

Viele Fragen sind derzeit aber auch noch offen, beispielweise, warum und von welchen Einheiten der Römerturm errichtet wurde oder wann und wie er seine Funktion als römische Militäranlagen wieder verloren hat.

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