Beim neuen Sprachatlas fürs Romanische können alle mithelfen
von Manuela Meuli und Romina Kranz
Seit fast 100 Jahren sind Dialekte in der Schweiz nicht mehr systematisch dokumentiert worden. Das erklärt Andrin Büchler, Sprachwissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR). Dennoch greifen Forschende bis heute auf die alten Aufzeichnungen zurück, um die sprachliche Entwicklung nachzuvollziehen.
«Kürzlich wurde ein neuer Sprachatlas für die deutschsprachige Schweiz erstellt», so Büchler. Für weitere Schweizer Sprachen würden bereits Projekte zur Erhebung aktueller Daten laufen. Im Rätoromanischen hingegen seien viele Daten veraltet und teils mit Italienisch vermischt. «Es ist höchste Zeit, dass auch für das Romanische ein neuer Sprachatlas entsteht», betont Büchler.
Eine Grundlage soll geschaffen werden
Früher war die Erfassung sprachlicher Daten laut Büchler mit grossem Aufwand verbunden. Forschende mussten persönlich in die Dörfer reisen, um Informationen zu sammeln. Heute hat sich das grundlegend geändert. Dank technischer Hilfsmittel und Digitalisierung können Sprachdaten sofort aufgezeichnet und direkt in Datenbanken eingepflegt werden.
«Ziel des Projekts ist es zunächst, eine solide Datengrundlage zu schaffen», erklärt Büchler. Sobald genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, soll daraus ein rätoromanischer Sprachatlas entstehen. Dieser würde es Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern ermöglichen, alte und neue Daten zu vergleichen und den Sprachwandel der letzten Jahrzehnte zu analysieren. Doch auch für die Öffentlichkeit könnten die Ergebnisse von Interesse sein: Mithilfe interaktiver Karten liesse sich nachvollziehen, wo welcher rätoromanische Dialekt gesprochen wird – und welche regionalen Besonderheiten es gibt.
Alle romanischsprachigen Personen sind gefragt
Seit knapp drei Wochen können Romanischsprachige an einer Umfrage der PHGR teilnehmen. Zu Beginn wählen sie ihr Idiom aus, bevor sie alltagsnahe Begriffe anhand von Bildern oder Fragen zuordnen. «Die Fragen zielen darauf ab, den alltäglichen Sprachgebrauch zu erheben», heisst es auf der Internetseite der PHGR. Während der Umfrage gebe es mehrere Möglichkeiten, aus denen die Teilnehmenden jene auswählen können, die beispielsweise mit der eigenen Aussprache eines bestimmten Wortes am ehesten übereinstimme.