«In Davos läuft richtig viel»
Er sei zwar immer noch in der Kennenlernphase, aber er fühle sich richtig wohl in Davos, erklärt Steinberg. Die grösste Umstellung für ihn sei, dass er vorher in Einzelpfarrämtern tätig gewesen sei und nun in einem Team arbeite. «Zusammen mit Pfarrerin Janine Schweizer und Sozialdiakonin Brigitte Gafner bilden wir quasi ein Trio, wobei ich mit 53 Jahren bereits der Älteste bin», erzählt er mit einem Schmunzeln. Doch nicht nur die Arbeit mit seinen beiden Kolleginnen, auch die enorme Vielfalt an Glaubensgemeinschaften in Davos sei für ihn neu. «Anfangs habe ich gestaunt, dass es hier im Ort so viele verschiedene Kirchen gibt.» Doch die Zusammenarbeit unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos (AKiD) laufe sehr positiv. «Es läuft hier richtig viel». «Ein weiterer Vorteil von Davos ist die Zusammenarbeit unter den reformierten Kirchgemeinden, dank derer wir Ressourcen bündeln können», findet Steinberg und fügte als Beispiel den kürzlich durchgeführten Reformationssonntag an. Doch auch abseits seiner Arbeit fühle er sich wohl im Landwassertal. «Ich kannte den Ort vorher kaum, aber die Vielfalt hier gefällt mir sehr.» Sportlich gesehen setze er vor allem aufs Wandern. «Vielleicht aber probiere ich diesen Winter auch Langlaufen einmal aus», verrät er.
Naturwissenschaftlich interessierter Theologe
Aufgewachsen ist der Theologe in anderen Gefilden, nämlich in Bad Hersfeld in der Nähe von Fulda. Eigentlich wollte Steinberg Lehrer werden und fokussierte sich auf Mathematik und Religion. Mit christlichen Themen in Kontakt getreten sei er mit etwa 14 Jahren, als er das Deutsche Pendant zur Cevi besuchte. «Die Organisation machte eine tolle Jugendarbeit», erinnert er sich zurück. Später sei er dann in den Kirchenvorstand berufen worden. Arbeiten mit Menschen, das prägte ihn auch während seines Zivildienstes, den er während der Wende im Herbst 1989 bei einer ökumenischen Bahnhofsmission an einem innerdeutschen Grenzbahnhof absolvierte. «Am Bahnhof Bebra hatte ich oft mit Reisenden aus der DDR nach Westdeutschland zu tun.» Doch auch mit Randständigen und Suchtkranken sei er während des Zivildienstes in Kontakt gekommen. Wieder zurück im «normalen» Leben habe er dann das Lehramt weiterverfolgt. Doch es zeigte sich, dass Mathematik und Religion zwei nur schwer zu vereinbarende Fächer waren. «Deshalb wechselte ich nach Heidelberg und studierte ab dann Vollzeit Theologie.» Steinberg selbst bezeichnet sich selber allerdings immer noch als «naturwissenschaftlicher Typ». Kommt man da als Bibel-Gelehrter nicht früher oder später in einen Konflikt? «Nein», findet der 53-Jährige. «Zum Beispiel bei der Schöpfungsfrage sehe ich keinen Widerspruch.» Die erste Schöpfungserzählung sei für ihn in Anbetracht ihres Entstehungszeitraums schon fast ein demokratischer Akt. «Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild», zitiert er dazu. Wenn ihn nun ein kleiner Junge fragen würde, wie die Welt entstanden sei, was würde er ihm antworten? «Dann würde ich mit der naturwissenschaftlichen Theorie antworten.» Bei dieser Thematik gebe es für ihn einen äusseren und einen inneren Grund für die Entstehung der Welt und des Menschen, präzisiert er: «Ich stelle mir das so vor: Der äussere Grund für die Entstehung des Menschen ist das, was die Evolutionstheorie sagt, der innere die Liebe Gottes.«