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Djokovic kann in Wimbledon mit Federer gleichziehen

Mit seinem achten Titel - dem fünften in Serie - könnte Novak Djokovic in Wimbledon zum Rekordsieger Roger Federer aufschliessen. Einer, der den Serben stoppen könnte, ist nicht auszumachen.
Agentur sda
03.07.2023, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

REKORDJAGD. Novak Djokovic ist im All England Club im Südwesten Londons so unantastbar wie Roger Federer oder Pete Sampras in deren besten Zeiten. Mit dem achten Titel würde der 36-jährige Serbe mit Federer gleichziehen und der dritte Spieler nach Björn Borg (1976 bis 1980) und Federer (2003 bis 2007) sein, der in Wimbledon fünfmal in Folge triumphiert. Dabei hatte Djokovic noch Pech, dass 2020, mitten in dieser Erfolgsserie, das Turnier wegen der Pandemie abgesagt wurde.

LETZTE NIEDERLAGE VOR ZEHN JAHREN. Am meisten fürchten muss Djokovic nicht seine Gegner, sondern die Spielansetzung. Auf dem Centre Court ging er letztmals vor zehn Jahren - im Final gegen Andy Murray - als Verlierer vom Platz. Seither hat er auf Rasen nur noch dreimal verloren: 2016 in der 3. Runde gegen Sam Querrey und 2017 im Viertelfinal nach Aufgabe gegen Tomas Berdych in Wimbledon sowie 2018 im Final von Queen's gegen Marin Cilic. Djokovic hat in Wimbledon 89,6 Prozent seiner Matches gewonnen, das ist mehr als Federer und (noch) 0,4 Prozent weniger als Sampras. Nach dem Australian Open und Paris könnte der Serbe auch wie 2021 das dritte Viertel des Kalender-Grand-Slams, den seit Rod Laver 1969 kein Mann mehr schaffte, ins Trockene bringen - und natürlich seinen Rekord von 23 Major-Titeln ausbauen.

HERAUSFORDERER. Djokovics haushohe Favoritenrolle hat auch damit zu tun, dass seine auf dem Papier härtesten Herausforderer alles andere als Rasen-Spezialisten sind. Die restlichen 19 Spieler der Top 20 haben in Wimbledon zusammen weniger Partien (85) gewonnen als Djokovic alleine (86). Erster Herausforderer ist der Weltranglistenerste Carlos Alcaraz, der am Sonntag im Londoner Queen's Club sein erstes ATP-Turnier auf Rasen gewann. Dennoch verfügt der 20-jährige Spanier über sehr wenig Routine auf der rutschigen, grünen Unterlage. Er verfügt aber über alle notwendigen Anlagen und den Wow-Faktor, der ihn zum Publikumsliebling macht.

FRAGEZEICHEN. Der heisseste Aussenseiter ist wie so oft Nick Kyrgios. Im letzten Jahr brachte der Australier erstmals über zwei Wochen sein immenses Talent auf den Platz und scheiterte erst im Final in vier Sätzen an Djokovic. Da dieser Exploit keine Weltranglistenpunkte gab, ist er nur als Nummer 31 gesetzt. Und ebenfalls wie so oft gibt es Fragezeichen um Kyrgios' Gesundheitszustand. Für eine Überraschung gut sein könnte auch Andy Murray, der zuletzt zwei Challenger-Turniere auf Rasen gewann. Der 36-jährige Schotte mit der teilweise künstlichen Hüfte dürfte aber kaum in der Lage sein, mehrere lange Matches aneinanderzureihen. Seit Federers erstem Triumph vor 20 Jahren haben in Wimbledon nur der Schweizer (8 Mal), Djokovic (7), Murray (2) sowie der noch länger fehlende Rafael Nadal (2) gewonnen.

RUSSEN UND BELARUSSEN. Nach dem Ausschluss der Russen und Belarussen wegen des Angriffs auf die Ukraine im letzten Jahr sind diese nun wieder spielberechtigt - nach Unterzeichnung eines Formulars, mit dem sie bestätigen, den Krieg nicht zu unterstützen. Damit kehren bei den Männern die russischen Top-Ten-Spieler Daniil Medwedew und Andrej Rublew zurück, die aber in Wimbledon beide noch nie über die Achtelfinals hinauskamen.

SWIATEKS RASENSCHWÄCHE. Relevanter ist die Rückkehr der Weissrussin Aryna Sabalenka. Die Australian-Open-Siegerin dürfte sich mit der aktuellen Nummer 1 und Roland-Garros-Championne Iga Swiatek um die Krone und den Platz an der Weltranglistenspitze duellieren. Allerdings kam die sonst so dominante Swiatek in Wimbledon noch nie über die Achtelfinals hinaus, während Sabalenka bei ihrer letzten Teilnahme vor zwei Jahren immerhin die Halbfinals erreichte. Ausserdem sind Überraschungen bei den Frauen praktisch an der Tagesordnung. Wer hätte im letzten Jahr mit dem Sieg der Kasachin Jelena Rybakina oder vor drei Wochen mit dem Finaleinzug von Karolina Muchova in Paris gerechnet? Zu den aussichtsreichen Aussenseiterinnen gehört normalerweise auch Belinda Bencic, doch die Olympiasiegerin hat in den letzten zweieinhalb Monaten nach einer Oberschenkelverletzung nur eine Partie bestritten.

PREISGELD. Beim Preisgeld wird einmal mehr ein Rekord aufgestellt. In den nächsten zwei Wochen gibt es in Wimbledon 44,7 Millionen Pfund (rund 50,8 Mio. Franken) zu gewinnen. Die Einzelsieger bei den Männern und Frauen kassieren 2,35 Mio. Pfund.