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Miami ist das neuste Hochglanz-Produkt der Formel 1

Die Formel 1 erlebt in den USA einen regelrechten Boom. An diesem Wochenenede dreht die Königsklasse des Motorsports erstmals in Miami ihre Runden.
Agentur sda
06.05.2022, 13:24 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Lange hatte die Formel 1 einen schweren Stand in den USA. Neben den vier Hauptsportarten Football, Baseball, Basketball und Eishockey spielte sie auf dem grössten Sportmarkt der Welt höchstens eine Nebenrolle. Und wenn sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten jemand für schnelle Autos interessierte, dann pilgerte er oder sie eher zu den Rennen der Nascar oder der IndyCarSerie.

Über viele Jahre versuchte der frühere Chef-Vermarkter Bernie Ecclestone vergeblich, in Nordamerika ein grösseres Publikum zu gewinnen. Erst seit der amerikanische Konzern Liberty Media vor sechs Jahren das milliardenschwere Imperium übernommen hat, änderte sich in dieser Hinsicht etwas. Mittlerweile ist das Interesse an der Formel 1 auch in den USA massiv gestiegen.

Das jüngere Publikum abgeholt

Ein wichtiger Schlüssel war die Zusammenarbeit mit dem Video-Streaming-Dienst Netflix, der mit der Doku-Serie «Drive to Survive» seit 2018 dem breiten Publikum einen Blick hinter die Kulissen des PS-Spektakels gewährt und damit vor allem bei den Jüngeren punkten konnte. Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass es auch 2022 und 2023 wieder neue Staffeln geben wird.

Das Geschäft mit der Formel 1 in den USA boomt, die Fangemeinde ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Das zeigt sich auch bei den TV-Einschaltquoten, die sich den Zahlen der IndyCar- und Nascar-Rennen annähern. Auch die Organisatoren vor Ort dürfen mit den Ticketverkäufen zufrieden sein. Im Vorjahr füllten fast 400'000 Zuschauer die Tribünen beim Grand Prix der USA in Austin.

Auch für die Premiere in Miami an diesem Wochenende ist das Interesse gross. Das fünfte Saisonrennen wird ausverkauft sein. Die 240'000 Eintrittskarten waren im Nu vergriffen. Auch vor den hohen Ticketpreisen - nirgends sonst muss man so tief in die Taschen greifen - schreckten die Fans nicht zurück. Da stört es auch nicht, dass kein Fahrer aus den eigenen Reihen kommt, obschon mit Haas eigentlich ein amerikanisches Team am Start steht.

Viel Prunk

Die Zuschauer dürfen sich auf ein Spektakel einstellen, auf einem Kurs, der nicht wie ursprünglich geplant durch die Strassen von Downtown Miami führt, sondern von Grund auf aus dem Boden gestampft wurde. Eingebettet ist die Strecke mit ihren 19 Kurven, drei längeren Geraden und ebenso vielen DRS-Zonen in das Stadiongelände des NFL-Teams Miami Dolphins. Die Erbauer der Anlage scheuten keinen Aufwand; sie legten unter anderem eigens einen künstlichen Jachthafen inklusive Sandstrand an. Natürlich durften auch die Palmen im sonnenverwöhnten Florida nicht fehlen.

Diese Prise Wahnsinn passt zum Hochglanz-Produkt Formel 1, das seit 2012 jährlich in Austin Halt macht. Im kommenden Jahr kommt mit Las Vegas ein weiterer Standort in den USA dazu. Dann wird es wie schon 1982 drei amerikanische Gastspiele in einer Saison geben - und der Boom wohl noch grösser sein.