Kein Favorit - es sei denn Brooks Koepka
Der Amerikaner Wyndham Clark führte vor einem Monat am US Open in Los Angeles vor, dass jegliche Prognosen vor den grossen Turnieren der Golfprofis so gut wie sinnlos sind. Der 29-Jährige triumphierte. obwohl er sich vorher an den vier Majorturnieren nie besser als im 75. Rang klassiert hatte.
Nicht anders verhält es sich vor dem British Open, das seit 1860 nunmehr zum 151. Mal ausgetragen wird. Schon vor einem Jahr, am 150. British Open im «Home of Golf» im schottischen St. Andrews, triumphierte ein Spieler, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Der Australier Cameron Smith siegte einen Schlag vor dem Amerikaner Cameron Young, einem weiteren Aussenseiter.
Man müsste meinen, dass sich gerade am British Open immer einer der Allerbesten durchsetzt. Denn die zehn exklusiven Plätze in Schottland (5 Plätze), England (4) und neuerdings Nordirland (1), auf denen das weltweit älteste Turnier im Individualsport durchgeführt wird, liegen allesamt an den Küsten und sind dem Wind ausgesetzt. Gerade bei Gegenwind benötigen die Professionals eine variable Technik, um den Ball buchstäblich flach zu halten. Tiger Woods gewann das British Open dank den unvergleichlichen Fertigkeiten in seinen besten Zeiten dreimal.
Royal Liverpool gehört seit 1897 zur sogenannten Rota, dem Kreis der British-Open-Plätze, obwohl das Turnier zwischen 1967 und 2006 nie daselbst stattfand.
Die jüngsten Sieger in Hoylake waren Tiger Woods 2006 und der Nordire Rory McIlroy 2014. McIlroy verwies damals den ebenfalls renommierten Spanier Sergio Garcia um zwei Schläge auf den 2. Platz. Einen Monat später errang McIlroy an der US PGA Championship seinen vierten grossen Titel. Aber unterdessen wartet er schon fast neun Jahre lang auf den fünften. Die Erinnerungen an sein erfolgreiches Spiel 2014 könnten dem mittlerweile 34-jährigen aus dem Örtchen Holywood bei Belfast in dieser Woche helfen.
In bester Form ist McIlroy allemal. Am Wochenende triumphierte er am Scottish Open in North Berwick. Er ist mithin der einzige Golfer, der die Open von Schottland, Irland und Grossbritannien (British Open) gewinnen konnte.
Major-Spezialist Koepka
Wer in Hoylake viel Ehre und einen Check über drei Millionen Dollar gewinnen will, dürfte gut daran tun, sich an Brooks Koepka zu orientieren. Der 33-jährige Floridaner aus West Palm Beach ist der Spezialist schlechthin für Siege an den grossen Turnieren. Von Juni 2017 bis Mai 2023 gewann er fünf davon, während er auf dem amerikanischen Circuit nur gerade vier Siege an normalen (kleineren) Turnieren einfuhr. Brooks Koepka gewann die US PGA Championship dreimal, das US Open zweimal. Titel am US Masters und am British Open fehlen ihm noch.
Zu den ersten Siegesanwärtern in dieser Woche zählt naturgemäss auch der Amerikaner Scottie Scheffler, der Leader in Weltrangliste.