Restaurant «Seehof» Schmerikon: Kann man so machen!

Grosse Blumenkohlwolken segeln durch den blauen Himmel. Herumliegende Zweige, Blätter und die
Pfützen auf dem Bahnhofplatz zeugen von einem nächtlichen Gewitter. Es ist «tüppig» in Schmerikon, doch eine leichte Brise aus Südwest sorgt für Erfrischung. An der Seepromenade haben es sich einige Leute zum Picknick bequem gemacht.
Auch nördlich der Bahngeleise stillen viele Menschen ihren Hunger. Die meisten tun es auf der Terrasse und im Garten des «Seehofs». Kurz nach zwölf Uhr tauchen noch einige Handwerker auf. Zu dieser Zeit habe ich bereits zwei Vorspeisen gegessen. Seit ich für diese Zeitung Testessen durchführe, bin ich noch nie so schnell bedient worden wie im Schmerkner «Seehof». Drei Minuten nach dem Absitzen steht ein halber Liter Apfelschorle (6.10 Franken) vor mir. Zwei Minuten später stellt die freundliche und aufmerksame Kellnerin Suppe und Salat auf den Tisch. In der Kategorie Tempo – beim Mittagessen ein wichtiges Kriterium – gebe ich dem «Seehof» die Maximalnote.
Die Gemüsecremesuppe schmeckt ausgezeichnet, sie hat Substanz (Gemüse und Rahm) und ist würzig abgeschmeckt. Wenn sie mir nicht würzig genug wäre, hätte ich das typisch schweizerische «Menagerli» in Originalbesetzung griffbereit: Aromat, Maggi, Salz, Pfeffer und Zahnstocher.
Fertigsauce oder nicht? Ist egal
Den Salat brauche ich auch nicht nachzuwürzen. Ich bin mir nicht sicher, ob die weisse Sauce hausgemacht ist. Jedenfalls passt sie mit ihrer frischen Joghurtnote zum sommerlichen Blattsalat (auch der ist frisch). So oder so verrate ich Ihnen im Vertrauen: Ich mache meine Salate, die ich meistens von der Biogärtnerei «Balm» beziehe, oft mit Fertigsauce an. Meist verwende ich die Hausmarke der «Balm». Manchmal auch «Mini Salatsossä» der Gourmero AG, die ich bei Migros kaufe.
Es dauert nicht lange, und ich habe meinen Vegi-Hauptgang auf dem Tisch. Es ist eine stattliche Portion Gnocchi mit weissen und grünen Spargeln an einer Rahmsauce mit einer leichten Zitrus-Note. Gnocchi aus der Fabrik mit Gemüse an einer einfach gestrickten Sauce: Dieses Gericht könnten wohl die meisten von uns auch selbst kochen. Trotzdem finde ich: Kann man so machen!
Zu viele Gnocchi für den Tester
Erstens gibt es reichlich Spargeln, Gnocchi (für mich sind es zu viele) und Rahm. Zweitens stimmt der Preis, denn fürs dreigängige Menü bezahle ich nur 22.50 Franken. Für nur 18.50 Fr. hätte ich das Menü mit Rindsaftplätzli, Lyonerkartoffeln und Gemüse haben können. Drei weitere Menüs zwischen 19.50 Fr. (Wurst-Käse-Salat) und 41 Fr. (Kalbschnitzel mit Pommes frites) stehen zur Auswahl.
Zum Abschluss gönne ich mir ein Dessert. Ich bekomme einen adrett angerichteten Caramelflan mit Schlagrahm, Hüppe, Erdbeere und Zitronenmelisse (11 Franken). Auch diese Portion ist (für meine Verhältnisse) zu gross. Weil sie sehr gut schmeckt, esse ich alles auf. Bevor ich den Zug nach Rapperswil-Jona nehme, spaziere ich ein paar Schritte am Seeufer. Ich realisiere, dass ich viel zu viel gegessen habe. Ich beschliesse, meinen anschliessenden Mittagschlaf auf eine knappe Stunde zu verlängern.
Gastrotipp Restaurant: «Seehof», Schmerikon
Ambiente: Geräumige Terrasse mit Ausblick auf See, Bahnhof und geparkte Autos. Bequeme Stühle und zweckmässige Gedecke. Mir gefällt die Bepflanzung zwischen Terrasse und Trottoir mit Gräsern und Blumen. Die Gaststuben sind hell und zeitgemäss eingerichtet. Gemütlichkeit geht auch ohne Deko-Firlefanz.
Service: Freundlich, sympathisch und schnell. Das «Seehof»-Team weiss, was die meisten Gäste am Mittag brauchen. Alles läuft wie am Schnürchen, und das Essen wird in Rekordzeit und trotzdem ohne Gehetze serviert.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr gut. Ein Menü mit Suppe, Salat und Fleisch (Rindsaftplätzli) für 18.50 ist schon fast zu günstig. Der Vegi-Hauptgang ist keine kulinarische Grosstat – aber er schmeckt und enthält neben (vielen) Fertig-Gnocchi viel Spargel und Rahm.
Adresse: Bahnhofstrasse 1, 8716 Schmerikon, 055 282 16 33.