«Zurückblickend war es eine schöne Zeit»
Davos, oder genauer das Laret, war für Peter Matter nichts Neues, als er 1969 eine Stelle als Habilitant (zukünftiger Professor) am damaligen Laboratorium für experimentelle Chirurgie unter Leitung von Professor Stephan Perren – aus diesem ging das heutige AO Forschungsinstitut hervor – antrat. Denn als Jugendlicher hatte er gelegentlich seine im Laret kurende Mutter besucht. Doch nun wollte er vorübergehend weg von seiner Oberarztstelle im Universitätsspital Basel, wo er während drei Jahren unter der Ägide des AO-Mitbegründers Martin Allgöwer tätig gewesen war. Denn in Davos lockte mehr: Ein Familienleben und die Möglichkeit zum Skifahren. So wohnte Matter also mit seiner Frau Barbara und den drei älteren Kindern im Laret (ein viertes wurde in Davos geboren) und forschte an der Knochenbruchheilung. Als zwei Jahre später die Stelle als Chefarzt am Spital Davos ausgeschrieben war, musste die junge Familie jedoch eine schwierige Entscheidung fällen: Dem jüngeren Sohn bekam die Kälte gar nicht. Er reagierte mit einer Blutkörperchenagglomeration, die jeweils im Spital behandelt werden musste. «Sein Fall war damals einer von gerade fünf in der Schweiz», fügt Barbara Matter an dieser Stelle ein. «Zum Glück hat es sich ausgewachsen.» Doch damals war das eine lebensbedrohliche Situation, und die Mutter schirmte in der Folge ihren Sohn über Jahre von Temperaturen unter 0 Grad ab. Denn die in Davos ausgeschriebene Stelle war zu verlockend. «Zu dieser Zeit wurde gerade der Neubau des Spitals geplant, und als Chefarzt konnte ich auch am Bau mitwirken», erzählt Peter Matter. Ursprünglich hatte er Allgemeinmediziner werden wollen. Zur Chirurgie kam er erst am Kantonsspital Chur, wo er mit Unterbruch von 1959 bis 1967 mit dem bereits erwähnten Martin Allgöwer gearbeitet hatte. Nun kam noch die Aufgabe eines Bauberaters dazu. «Das lockte mich.»
Weitsichtige Entscheidungen
Nach einem langwierigen Auswahlverfahren – «Die Davoser Bevölkerung befürchtete, dass ich die AO-Techniken an ihnen ausprobieren würde» – wurde Matter der Chefarzt-Posten zugesprochen und er gleichzeitig in die Spitalkommission berufen. «Die Architekten wunderten sich, was alles ich jeweils ausmass», erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Doch der Hintergrund war ernsthaft. Als Chirurg wusste er, wie ein Spital gestaltet sein musste. «Das fängt bei der Position der Wasserhahnen an. Für Chirurgen müssen sie hoch angebracht sein, damit man sich die Hände bis zu den Ellbogen abtropfen kann.» Dann sei ihm auch wichtig gewesen, das Spital wirtschaftlich und logistisch funktionell zu bauen. So sind noch heute Notfall, Operations- und Aufwachräume, bildgebende Untersuchungen und die Intensivstation auf einem Stock nahe beieinander angeordnet. «Und das Notstromaggregat auch», ergänzt Matter. Das machte es unnötig, im ganzen weiteren Spital eine Notstrom-Installation vorzunehmen. «Und sparte etwa drei Millionen Baukosten.» Auch bei den Liften setzte Matter seine Vorstellungen durch. Er bestand darauf, dass darin auch Patienten mit über das Bett hinaus ragenden Streckvorrichtungen transportiert werden konnten. «Heute fallen zwar diese Extensionen weitgehend weg, dafür sind die Betten länger geworden», ist Matter zufrieden mit der damals getroffenen Entscheidung.