«Zu viele wurden zurückgewiesen»
Einen Gedenkstein an Opfer des Holocausts auf dem 1931 geschaffenen jüdischen Friedhof gibt es bereits: Unter ihm wurde am 6. September 1946 Asche von im Konzentrationslager Buchenwald getöteten namenlosen Opfen begraben. Seit Sonntag steht an seiner Seite ein Stein zum Gedenken all jene jüdischen Menschen, die kein Asyl in der Schweiz fanden oder sogar wieder über die Grenze zurückgesandt wurden – oft in den sicheren Tod. Das Denkmal reihe sich ein in 60 Gedenkstätten in der Schweiz, wo der Opfer der Schoa – der Holocaust im jüdischen Sprachgebrauch – gedacht werde, aber auch jener mutigen Menschen, die Verfolgte retteten, sagte der Präsident des Israelitischen Gemeindebundes (SIG), Ralph Lewin, bei der Einweihung. «Es ist eine Vernetzung regionaler Erinnerungen, die hoffentlich dereinst zu einem nationalen Memorial führen wird.» Denn wer die Vergangenheit kenne und verstehe, könne den Erfordernissen der Gegenwart besser begegnen, schloss er.
Rabbiner Moshe Baumel von der Israelitischen Gemeinde Basel sprach über den Stellenwert der Erinnerungskultur im jüdischen Leben. Er erklärte, dass Menschen vor allem in der Erinnerung der Nachkommen weiterleben würden. Wie aber solle das bei jenen gehen, deren Namen nicht bekannt seien, für die es kein Grab gebe? Zwar würden Märtyrer von Gott einen ewigen Namen erhalten, dennoch brauche es Gedenkstätten wie die jetzt eingeweihte. Sie würden als Stützen im Kampf gegen den Antisemitismus dienen, sagte Baumel und bezog dabei Unterdrückte aller Ethnien, Farben und Religionen mit ein.
Nicht einladend, sondern ein «DENKmal»
Ariel Wyler, SIG-Geschäftsleitungsmitglied im Ressort Religiöses und Verwalter des Davoser Friedhofs, verdeutlichte diese Denkart weiter. Es gehe darum, Verantwortung in der jüdischen Erinnerungskette wahrzunehmen. «Dies ist jetzt umso wichtiger, da nun die letzten Überlebenden des Nazi-Terrors dahinscheiden.» Er sei sich absolut bewusst, dass das Deutsch holprig sei, meinte er zum eingravierten Spruch. «Den Weggewiesenen die Zuflucht suchten und haben kein Grab» steht da. Genau darum gehe es. Er solle zum Innehalten und Denken anregen. Dazu dürfe er nicht glatt und einladend sein. Der jüdischen Tradition folgend, legte Wyler zum Abschluss seiner Ausführungen einen Stein auf das Mahnmal. «Zur Erinnerung. Keine Blume, die verwelkt, sondern ein Stein, der ewig bleibt.»