Wo Armut, Stolz und Dankbarkeit aufeinandertreffen
Von Lorena Tino
«Die Zahlen steigen und das ist kein gutes Zeichen», beginnt Alessandro della Vedova, Geschäftsleiter der Caritas Graubünden, das Gespräch. Er spricht von den Menschen, die Hilfe von Caritas benötigen. Doch dazu später. Zuerst den Ort wirken lassen.
Das Problem bleibt bestehen
Die Sonne scheint durch die grossen Fenster. Tassen klimpern im Hintergrund, begleitet von einem Durcheinander an Stimmen, die sich unterhalten. Es herrscht eine gelassene Stimmung im Caritas Markt. Viele Leute gehen ein und aus. Die einen kaufen ein, andere setzen sich im integrierten Café Georgina. Fast alle kennen und grüssen sich. Es erinnert an einen Dorfladen. Die Regale sind gefüllt und sortiert. Gemüse und Früchte in verschiedenen Farben glänzen in den grünen Kisten. «Unser Ziel ist es, eine gesunde und vielfältige Ernährung zu ermöglichen. Denn oft wird in der Geldnot auf ungesunde Nahrungsmittel mit hohem Kaloriengehalt zurückgegriffen, um den Hunger zu stillen, da diese günstiger sind», erklärt Alessandro della Vedova die Absicht des Caritas Markt. Und es gelingt. Es findet sich eine grosse Auswahl an allen nötigen Lebensmitteln wie auch andere Produkte, darunter Spielzeug, Haushaltsutensilien, Körperpflegemittel und vieles mehr. Das meiste werde von Grossverteilern bezogen, es gebe aber auch viele Spenden, wie wir erfahren. So sei es auch möglich, hie und da einige Markenprodukte zu verkaufen. Und wer darf denn nun eigentlich hier einkaufen? «Wer hier einkauft, muss eine ‹Kulturlegi› vorweisen können. Diese erhält man ab einem bestimmten finanziellen Notstand», weiss der Geschäftsführer. Mit der Kulturlegi kann man also im Caritas Markt einkaufen, bekommt aber auch an anderen ausgewählten Orten Vergünstigungen. Alles wunderbar. Doch ein grosses Problem bleibt bestehen. Die Armut.