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Leben & Freizeit

Wieso einige Glarner schon beim Arzt geimpft wurden

Ueli Weber
15.01.2021, 04:30 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Es brauchte keine Anmeldung über die offizielle Internetseite, keine Anreise zum Impfzentrum in Ennenda – nur freie Zeit und den Entscheid, sich impfen zu lassen. Einige wenige Glarner bekamen Anfang Woche einen Anruf von ihrem Hausarzt mit dem Angebot, sich spontan in der Praxis gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Das war noch vor dem offiziellen Start des Impfzentrums des Kantons. Dieses nahm seinen Betrieb am Mittwoch im Ennendaner Gesellschaftshaus auf.

Öffentlich angekündigt waren die Impfungen beim Hausarzt nicht. Wie der Kanton Glarus auf Nachfrage der «Glarner Nachrichten» erklärt, handelte es sich dabei um einen Probelauf. Dieser sollte Erkenntnisse liefern, inwiefern eine Impfung in den Arztpraxen möglich ist. «Bekanntlich ist die Logistik des Impfstoffes heikel, Stichwort Kühlkette, weshalb ein solcher Probelauf mit einer Handvoll Arztpraxen sowie dem Kantonsspital und wenigen Dosen von Anfang an geplant war», erklärt der Kommunikationsverantwortliche des Kantons, Roland Wermelinger.

Der Kanton Glarus erhielt bislang Impfdosen für die Impfung von 1950 Personen zugeteilt. Wie viele genau davon im Probelauf in den Arztpraxen gespritzt wurden, ist beim Kanton nicht zu erfahren. Es habe sich aber nur um sehr geringe Mengen gehandelt, heisst es auf Nachfrage.

Auch bei den Hausärzten wurden jene Menschen geimpft, welche durch das Virus besonders gefährdet sind. Dazu gehören ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Die Ärzte boten dabei ihre Patienten selber auf. «Selbstverständlich waren die Arztpraxen und das Spital angehalten, nur ihre Risikopatienten zu impfen», sagt Roland Wermelinger.

Hausärzte sollen in zweitem Schritt ebenfalls impfen

Ziel sei im Kanton Glarus ein duales System mit Impfung in den Arztpraxen und im Impfzentrum, heisst es beim Kanton. «Die Impfung ist eine enorme logistische Herausforderung», sagt Roland Wermelinger. Bis im Sommer sollten alle Impfwilligen im Kanton geimpft sein. Das könnte 40 000 Impfungen in sechs Monaten oder mehr als 100 Impfungen pro Tag bedeuten, wenn sich 20 000 Personen impfen lassen wollen und zwei Impfungen nötig sind. «Dies kann nicht allein im Impfzentrum bewerkstelligt werden», erklärt Wermelinger. Ausserdem könnten die Hausärzte einspringen, wenn das Impfzentrum aus irgendwelchen Gründen ausfallen sollte: «Das strategische Ziel des Kantons einer möglichst raschen Impfung der Bevölkerung darf nicht gefährdet werden.»

Vorerst sind aber weiterhin nur Impfungen im Impfzentrum vorgesehen. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb der Probelauf nicht öffentlich gemacht wurde, so der Kanton. Die Behörden wollten verhindern, dass die Hausärzte mit Anfragen überhäuft werden, welche diese dann hätten abweisen müssen. Wann auch Hausärzte oder das Spital impfen werden, ist noch offen. «Vorerst liegt der Fokus des Kantons auf dem Impfzentrum», sagt Wermelinger.

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