Wie vor 100 Jahren das Altersasyl Rigahaus entstand
von Susanne Turra
Wer im Churer Stadtarchiv nach ihm sucht, findet nur wenige Informationen. Er war ein Handelsreisender. Ein Kaufmann. Ein Wohltäter. Christian Lorenz Allemann-Wassali. 1850 in Chur geboren, betreibt er später Handel mit Ägypten. Zeit seines Lebens unterstützt er verschiedene Institutionen. Die Badi Sand. Das Kantonsspital. Das Rigahaus. Wer weitersucht, wird in den «Oberrheinischen Nachrichten», die damals in Mels erscheinen, fündig. Wortwörtlich steht in der Ausgabe vom 31. Januar 1923 geschrieben: «…vor einigen Wochen auf der Rückreise nach Alexandria auf dem Schiff gestorben ist, hat kurz vor seiner Abreise das Testament gemacht, in dem er nochmals verschiedener bündnerischer gemeinnütziger Institutionen gedenkt.
Er hat für ein in Chur zu errichtendes Altersasyl Fr. 100'000 vermacht…». Dank jenem Vermächtnis von Christian Lorenz Allemann-Wassali kann exakt am 24. Januar 1924 im Auftrag des «hochlöbl. Kleinen Rates» des Kantons Graubünden, des Vorstandes der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Graubünden und des Grossen Stadtrates von Chur unter dem Namen «Altersheim Rigahaus, C.L. Allemann-Stiftung» das heutige «Seniorenzentrum Rigahaus» aus der Taufe gehoben werden.
Vom Alterssitz zum Seniorenzentrum
100 Jahre später. Es ist Dienstagmorgen, der letzte im Februar, im «Seniorenzentrum Rigahaus» in Chur. Geschäftsleiter Sandro Ursch trinkt einen Schluck Kaffee und blickt zurück. «Das Rigahaus gibt es schon länger als 100 Jahre», weiss er. «Aber nur als Gebäude. Nicht als Institution.» Heute präsentiert sich das «Seniorenzentrum Rigahaus» mitten in Chur mit sechs Gebäuden und einem grosszügigen Naturaussenraum. Das originale Rigahaus an der Masanserstrasse hat eine lange und interessante Geschichte.
Es war die Familie Caviezel, Bündner Zuckerbäcker-Dynastie seit 1796 in der damals noch russischen Stadt Riga, die 1805 vom Churer Oberzunftmeister Bernhardt Mathys das Haus an der Masanserstrasse, genannt «beim Schlagbaum», und «Brauerei» kauft. Schlagbaum? «Vielleicht gab es hier eine Grenze, einen Zoll», mutmasst Sandro Ursch. «Als Schlagbaum wird ja eine aufrichtbare Schranke betitelt.» Wie auch immer.