Wie soll diese Brücke heissen?
Auf ihrem Weg von Arosa nach Chur in den Rhein überspannen 48 Brücken die Plessur. Und alle haben sie einen Namen, meist einen historischen. Über die Metzgerbrücke zum Beispiel ging damals schon Philipp Gurts Romanheld Walti Caminada anno 1947. Die Totengutbrücke führt zum gleichnamigen Friedhof, der seinen Namen aus der Zeit der Pest hat.
Der neuesten Brücke über die Plessur fehlen die Geschichten – sie hat noch keinen offiziellen Namen. «Welschdörflibrücke» nennt man sie manchmal oder auch «Arcocoira», so wie das Siegerprojekt des Architekturbüros hiess, eine Anspielung auf den dominanten Brückenbogen.
Vorschläge bis Ende August
Die Stadt Chur will auf der Suche nach einem passenden Namen der Bevölkerung den Vortritt lassen. In einem Aufruf sucht sie für die neueste Plessur-Überquerung einen «klangvollen und unverkennbaren Namen». Alle Churerinnen, Churer und Interessierte seien eingeladen, bis Ende August einen Vorschlag für die Benennung der Brücke einzureichen. Der Stadtrat werde aus einer vorselektierten Auswahl an Vorschlägen den passendsten Namensvorschlag auswählen, heisst es in einer Mitteilung.
Es ist das erste Mal, dass die Stadtbevölkerung aktiv bei der Namensgebung einer Brücke mitwirken darf. Normalerweise greife man einfach die Ortsbezeichnung im Namen auf, sagt Stadtentwickler Andreas Pöhl. Die neue Pardislabrücke, die Chur und Haldenstein miteinander verbindet, ist ein gutes Beispiel. Sie ist nach dem Flurnamen benannt.
Lange Geschichte
Aber was, wenn sich die Bevölkerung eine wenig spektakuläre «Plessurbrücke» wünscht? Dann werde man das so berücksichtigen, sagt der Stadtentwickler. Bis jetzt habe sich auch in den Medien noch kein Name durchgesetzt, deshalb gebe man die Fragestellung weiter. «Die Namensgebung ist ein wichtiges Kriterium für die Identifikation der Bevölkerung mit der Brücke.» Die Churerinnen und Churer seien ja auch Ideengeber für den Brückenschlag gewesen.
Ungeachtet des Namens hat die neuste Brücke über die Plessur für die Stadt Chur einen hohen symbolischen Wert, sagt Pöhl. Schon seit den Siebzigerjahren war sie als Verkehrsentlastung des engen und überlasteten Welschdörflis im Gespräch. Ursprünglich hätte die jetzige Fussgänger- und Velobrücke aber eine für den motorisierten Verkehr werden sollen. Jetzt, in ihrer abgespeckten Variante, sei sie vor allem eins: ein erster Schritt in Richtung Erschliessung des Areals Chur West, eine erste Etappe des Westweges, wie die Stadt die Arealentwicklung nennt.
Und bei dieser ersten Etappe läuft zurzeit alles termingerecht, wie das Churer Tiefbauamt auf Anfrage bestätigt. Nachdem Ende Mai die Brückenbögen über das Welschdörfli schwebten, sind diese inzwischen mit den Fahrbahnelementen der Brücke verschweisst. Nun stehen gerade Korrosionsschutzarbeiten an den Baustellenschweissungen an.
Die Brücke soll wie geplant im Oktober eingeweiht werden. Das Geheimnis um den neuen Namen wird erst dann gelüftet. Wie sie heissen wird, liegt in den Händen der Churerinnen und Churer.
Wollt Ihr einen eigenen Vorschlag einreichen? Dann los: www.brueckenname.ch