Wie die Glarner Krankenversicherung wieder wachsen will | Südostschweiz
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Wie die Glarner Krankenversicherung wieder wachsen will
Nach turbulenten Jahren blickt die Glarner Krankenversicherung wieder nach vorne. Die regionale Krankenkasse will wieder wachsen und gleichzeitig eine aktive Rolle bei der Entwicklung der Gesundheitsversorgung im Kanton übernehmen.
Die grüne Stele vor dem Hauptsitz in Schwanden ist kaum zu übersehen. «Glarner Krankenversicherung» steht darauf. Der Name ist Programm: Rund 98 Prozent der Versicherten leben im Kanton Glarus. An den beiden Standorten in Schwanden und Näfels arbeiten 17 Mitarbeitende. Geschäftsleiter Thomas Reich ist überzeugt, dass eine kleine Krankenversicherung in einem von grossen Anbietern geprägten Markt bestehen kann. Allerdings nicht allein, weil sie klein ist. «Regionalität ist wichtiger als Grösse», sagt Reich. Sie ermögliche der GLKV, die Situation im Kanton genau zu kennen und gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren pragmatische Lösungen zu entwickeln. «Ich glaube, dass grosse Versicherungen den Kanton Glarus nicht in gleicher Weise auf dem Radar haben.»
Wie konkret dieser Anspruch werden kann, zeigt ein Projekt des Kanton Glarus, das bei der GLKV derzeit weit oben auf der Agenda steht: die «Glarner Gesundheitsregion». Sie soll die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen stärker miteinander vernetzen und die Versorgung besser koordinieren.
Gesundheitsversorgung neu denken
2025 trafen sich die Akteure des Glarner Gesundheitswesens erstmals zum Austausch mit dem Ziel, die Anspruchsgruppen besser zu vernetzen und auch die Sicht der Patientinnen und Patienten einzubeziehen.
«Wir müssen die Versorgung neu denken», sagt Reich. Im Zentrum stehen medizinische Schnittstellen, IT und administrative Prozesse. Die GLKV verantwortet das Teilprojekt Administration. Gesucht seien niederschwellige Lösungen für eine bessere Koordination.
Davon sollen alle Beteiligten profitieren. «Lieber sinnvolle Leistungen frühzeitig beziehen um später wesentlich höhere Leistungen zu verhindern», erklärt Reich. Für die stellvertretende Geschäftsleiterin Catia Brunnenmeister ist das Engagement zugleich eine Möglichkeit, die GLKV zu positionieren: «Die Glarner Gesundheitsregion ist für uns ein wichtiges Merkmal, mit dem wir uns abheben können.» Entscheidend sei dabei, Verantwortung zu übernehmen und nicht nur über regionale Verankerung zu sprechen.
Nähe soll mehr als ein Versprechen sein
Diese Verankerung reicht weiter zurück als die heutige GLKV. Sie entstand 2011 aus dem Zusammenschluss der Krankenkassen Elm und Luchsingen-Hätzingen und feiert damit in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Die Wurzeln der beiden früheren Dorfkassen sind bis heute spürbar. «Das Verständnis für die verschiedenen Talschaften ist geblieben», sagt Brunnenmeister.
Auch die Rechtsform passt dazu. Die GLKV ist eine Genossenschaft. Die Versicherten können an der Generalversammlung mitreden, Fragen stellen und Anträge einbringen. Diese Möglichkeit werde tatsächlich genutzt, sagt Reich. Der Austausch sei direkt und auf Augenhöhe.
Direkt ist auch der Kontakt im Alltag. Manche Versicherte bringen ihre Rechnungen persönlich in Schwanden oder Näfels vorbei. Gelegentlich stehe jemand sogar mit einem selbstgebackenen Kuchen vor der Tür. Solche Begegnungen wirken in einer Branche ungewöhnlich, die viele Dienstleistungen zunehmend über Apps, Portale und Callcenter abwickelt.
Die GLKV will sich der Digitalisierung trotzdem nicht verschliessen. «Wir müssen die digitalen Basisangebote zur Verfügung stellen», sagt Reich. Rechnungen sollen sich unkompliziert elektronisch einreichen und Termine digital vereinbaren lassen. Eine Grenze zieht er aber bewusst: «Unsere Kunden werden nie alles über eine App lösen müssen.»
Die geringe Grösse habe intern und extern Vorteile. Mitarbeitende übernähmen breitere Aufgaben als bei einem Grossunternehmen mit stark spezialisierten Funktionen. Das mache die Arbeit abwechslungsreicher und der Kontakt für die Versicherten viel persönlicher und verbindlicher.
Die Prämie bleibt entscheidend
Nähe allein reicht nicht. Das hat die GLKV erfahren. Nach starkem Wachstum musste sie die Prämien für 2025 deutlich erhöhen – rund 4400 Versicherte wechselten daraufhin die Kasse. «Es tut weh, wenn man so viele Versicherte verliert», sagt Reich. Die wichtigste Erkenntnis: Wachstum ist nicht automatisch gut.
Inzwischen ist die Sanierung geglückt. Zurücklehnen könne man sich dennoch nicht, betont Reich. Die GLKV will preislich bei den günstigen Versicherern mitspielen, aber nicht zwingend die günstigste sein. «Lieber moderate Prämienanpassungen als nochmals eine Hauruckübung.» Die Kennzahlen würden heute enger überwacht, um früher reagieren zu können.
Denn der Preis bleibt zentral. «Für rund 60 Prozent der Bevölkerung ist die Prämienhöhe ausschlaggebend bei der Wahl ihrer Krankenkasse», sagt Brunnenmeister. Da die Leistungen der Grundversicherung gesetzlich vorgegeben sind, könne sich die GLKV vor allem beim Service und mit passenden Versicherungsmodellen unterscheiden.
Wieder auf 10'000 Versicherte wachsen
Nach der Konsolidierung soll die GLKV wieder wachsen – diesmal kontrolliert. Bis 2031 strebt sie rund 10'000 Versicherte an. Dabei soll der Blick auch stärker über die Kantonsgrenze gehen. Bereits heute ist die GLKV in den Kantonen St. Gallen und Schwyz tätig, allerdings in geringem Umfang. Eine gewisse Grösse sei notwendig, erklärt Reich. Die Verwaltungskosten liessen sich dann auf mehr Versicherte verteilen. Brunnenmeister sieht neben einer konkurrenzfähigen Prämie vor allem bei der Kundenerfahrung Potenzial. Angebote sollen stärker auf unterschiedliche Lebenssituationen zugeschnitten werden. Gleichzeitig soll die persönliche Beratung erhalten und gestärkt werden.
Dahinter stehe eine einfache Frage, sagt Brunnenmeister: «Was ist das Beste für den Kunden?» Die Antwort darauf müsse auch dann ausgesprochen werden, wenn sich daraus für die GLKV kein zusätzlicher geschäftlicher Vorteil ergebe.
Mehr über Gesundheit sprechen
Künftig soll die GLKV sichtbarer werden. «Nur gut zu arbeiten, reicht nicht, man muss es auch sichtbar machen und beweisen», sagt Reich. Statt klassischer Werbung sollen Gesundheit, Prävention und Versorgung im Mittelpunkt stehen. Geplant sind etwa öffentliche Informationsveranstaltungen und Podiumsgespräche mit Fachpersonen. Damit will die GLKV den Austausch mit der Bevölkerung verstärken.
Reich formuliert das Ziel für die kommenden Jahre ambitioniert: Die Versicherung soll zu den führenden Anbietern in ihrem Markt gehören und gleichzeitig eng mit den Akteuren des Glarner Gesundheitswesens vernetzt bleiben. Entscheidend wird sein, wirtschaftliche Stabilität, attraktive Prämien und regionale Nähe miteinander zu verbinden. Die Glarner Gesundheitsregion könnte zeigen, wie aus diesem Anspruch konkrete Lösungen für die Gesundheitsversorgung im Kanton entstehen.