Wenn der Amtsschimmel unverständlich wiehert
von David Eichler und Nicole Nett
Verwaltungssprache oder Beamtendeutsch – es ist nicht immer einfach, Briefe, Websitetexte von Ämtern oder das Abstimmungsbüchlein zu verstehen. Ein Problem, nicht nur für jene rund 800'000 Menschen in der Schweiz, die eine Leseschwäche haben. Auch Ottonormalverbraucherin trifft hin und wieder auf herrlich absurde Wortschöpfungen in der Beamtensprache. So kann man einem Zaun durchaus «nicht lebende Einfriedung» sagen, eine einfache Ablehnung heisst dann «Versagung» und ein Baum wird zum «raumübergreifenden Grossgrün».
Exaktheit führt zu Komplexität
Beamtensprache muss exakt sein, um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen. Die Suche nach Genauigkeit führt oft zu passiv formulierten und verschachtelten Sätzen, in denen mehr Substantive als Verben vorkommen. Dinge, die einen Text schwerer verständlich machen.
Um möglichst allen den Zugang zu öffentlichen Texten zu ermöglichen, wurden die Konzepte der einfachen Sprache und der leichten Sprache entwickelt. Dabei gilt es zu beachten: Einfache Sprache und leichte Sprache sind nicht das Gleiche.
Einfache Sprache und leichte Sprache
Die einfache Sprache ist eine Vereinfachung des Deutschen. Kürzere Sätze mit einfachen Worten. Texte in einfacher Sprache vermeiden Fremdwörter oder erklären diese.
Die einfache Sprache richtet sich an Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche, Menschen, die wegen ihres Alters oder wegen einer Krankheit nicht mehr gut lesen und schreiben können, und an Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.