An Südostschweizer Seen ist Vorsicht geboten
Im Zehnjahresschnitt zählt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) 45 Ertrinkungstote pro Jahr. Blickt man auf das Jahr 2019 zurück, wurden bei der SLRG im Austausch mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) 49 Todesfälle gezählt. Darunter befinden sich 39 Männer, sieben Frauen und drei Kinder. Bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft wurden 25 Opfer erfasst. Wie viele davon in der Südostschweiz verunglückt sind, wurde bei der Statistik nicht erfasst.
Wieso Männer häufiger zum Ertrinkungsopfer werden, könne nicht genau gesagt werden, aber es gebe Vermutungen, wenn man das mit Entwicklungspsychologen anschaue, erklärt Philipp Binaghi von der SLRG auf Anfrage: «Meistens kommt dabei heraus, dass es mit der Risikokompetenz zu tun hat: Das Ausloten von eigenen Grenzen, wie weit kann ich gehen, dann das Thema Gruppendruck, Mutproben, andere beeindrucken und so weiter. Das bietet der plausibelste Ansatz, das Phänomen zu erklären.»
Risiko in offenen Gewässern besonders hoch
Bei der Auswertung der Zahlen von 2019 zeigt sich ausserdem einmal mehr, dass die Problemzonen die offenen Gewässer sind. 25 Todesfälle wurden in Seen respektive stehenden Gewässern registriert. 23 Fälle betreffen Fliessgewässer. Ein Fall ereignete sich in einem Bad. Die Freibäder können diesen Sommer nicht auf Vollbelastung fahren und müssen Schutzkonzepte und Einschränkungen einhalten. Gemäss Bundesamt für Statistik reisen die meisten Schweizerinnen und Schweizer unter normalen Umständen im Sommer ans Meer. Das wird diesen Sommer jedoch kaum möglich sein. Aus diesen Gründen sei damit zu rechnen, dass ein Grossteil der Leute an die offenen Gewässer gehe, erklärt Binaghi. Auch an die Seen und Flüssen in Graubünden. «Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr gross, dass es diesen Sommer zu mehr Unfällen kommen wird.»