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Leben & Freizeit

An Südostschweizer Seen ist Vorsicht geboten

Südostschweiz
17.06.2020, 04:30 Uhr
vor 32 Minuten

Im Zehnjahresschnitt zählt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) 45 Ertrinkungstote pro Jahr. Blickt man auf das Jahr 2019 zurück, wurden bei der SLRG im Austausch mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) 49 Todesfälle gezählt. Darunter befinden sich 39 Männer, sieben Frauen und drei Kinder. Bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft wurden 25 Opfer erfasst. Wie viele davon in der Südostschweiz verunglückt sind, wurde bei der Statistik nicht erfasst.

Wieso Männer häufiger zum Ertrinkungsopfer werden, könne nicht genau gesagt werden, aber es gebe Vermutungen, wenn man das mit Entwicklungspsychologen anschaue, erklärt Philipp Binaghi von der SLRG auf Anfrage: «Meistens kommt dabei heraus, dass es mit der Risikokompetenz zu tun hat: Das Ausloten von eigenen Grenzen, wie weit kann ich gehen, dann das Thema Gruppendruck, Mutproben, andere beeindrucken und so weiter. Das bietet der plausibelste Ansatz, das Phänomen zu erklären.»

Risiko in offenen Gewässern besonders hoch

Bei der Auswertung der Zahlen von 2019 zeigt sich ausserdem einmal mehr, dass die Problemzonen die offenen Gewässer sind. 25 Todesfälle wurden in Seen respektive stehenden Gewässern registriert. 23 Fälle betreffen Fliessgewässer. Ein Fall ereignete sich in einem Bad. Die Freibäder können diesen Sommer nicht auf Vollbelastung fahren und müssen Schutzkonzepte und Einschränkungen einhalten. Gemäss Bundesamt für Statistik reisen die meisten Schweizerinnen und Schweizer unter normalen Umständen im Sommer ans Meer. Das wird diesen Sommer jedoch kaum möglich sein. Aus diesen Gründen sei damit zu rechnen, dass ein Grossteil der Leute an die offenen Gewässer gehe, erklärt Binaghi. Auch an die Seen und Flüssen in Graubünden. «Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr gross, dass es diesen Sommer zu mehr Unfällen kommen wird.»

QUELLE: YOUTUBE.COM/SLRG

Corona-Sommer 2020

Die SLRG versucht seit Jahren mit verschiedenen Massnahmen, die Zahl der Ertrinkungstoten zu senken oder konstant zu halten. Dieser Auftrag erhält im Jahr 2020 neues Gewicht. In diesem Jahr müssen ausserordentliche Massnahmen im Bereich Information und Prävention ergriffen werden, um Ertrinkungsunfälle zu verhindern. Dies setzt die SLRG mit mehreren Projekten und Partnern in die Tat um.

Mit dem Projekt Corona-Sommer 2020 werden Informationskampagnen umgesetzt, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Es gibt Crashkurse zur Ertrinkungsprävention, um spezifischen Zielgruppen das notwendige Grundwissen zu vermitteln. Es werden Präventions-Patrouillien an öffentlichen Badeplätzen für Präventionsgespräche unterwegs sein und Badewachen unterstützen lokale Badbetreiber und Gemeinden am Wasser mit personellen Ressourcen für die Wasseraufsicht, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Ausserdem werden den Behörden und Institutionen Wassersicherheitsberatungen angeboten.

Präventionskampagne «Save your Friends»

In ihrer jahrelangen Präventionsarbeit hat die SLRG festgestellt, dass junge Männer im Alter zwischen 15 und 30 Jahren besonders gefährdet sind. Schon im vergangenen Jahr hat die SLRG gemeinsam mit ihrem Partner Visana das Projekt «Save your Friends» zur Sensibilisierung dieser Risikogruppe gestartet, wie es in der Mitteilung heisst. Das Projekt wird 2020 als wichtiger Bestandteil von «Corona-Sommer 2020» weitergeführt. Basis ist ein zeitgemässer Internetauftritt zum Thema Wassersicherheit. Dieser wurde neu um einen Safety-Check erweitert. Auf einer virtuellen Flussfahrt oder bei einem Online-Seeaufenthalt kann man seine Wassertauglichkeit unter Beweis stellen.

Natürlich setzt die SLRG auch weiterhin auf ihre bewährten Präventionsmassnahmen. Dazu gehören die sechs Bade- und Flussregeln. Diesen kommt im Corona-Sommer 2020 eine noch wichtigere Bedeutung zu.

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