Was darfs denn sein?
Es ist ein Thema, zu dem alle eine Meinung haben. Ein Thema, zu dem alle etwas sagen können: Alkohol. Neun von zehn Personen ab 15 Jahren trinken zumindest gelegentlich Alkohol. Just in dem Moment, da der Konsum zur Sucht wird, hüllen sich viele Menschen aber in Schweigen. Sie wollen auch gar nicht weiter darüber reden. Aus Scham. Oder aus Angst. Oder aus anderen Gründen. Und genau dort setzt das Gesundheitsamt Graubünden an: Mit einem Aktionstag am 14. Mai soll das Schweigen gebrochen und offen darüber geredet werden. «Ziel ist es, das Tabu der Alkoholabhängigkeit zu brechen. Betroffene und Angehörige sollen offen und frei über ihre Probleme reden können», heisst es in einer entsprechenden Mitteilung des Kantons Graubünden.
Und genau das tun sie. Die Betroffenen und die Angehörigen. «Der Abend endete für mich in einer Ausnüchterungszelle», sagt etwa Jonas. Er ist 30 Jahre alt. «Am Montag ist er zwar zur Arbeit erschienen. Er war ansprechbar. Aber sonst konnte man ihn für nichts gebrauchen», sagt etwa Thomas über einen alkoholkranken Mitarbeiter. «Als ich eingreifen wollte, ist die Situation so eskaliert, dass meine Mutter nur noch laut um sich geschrien hat», sagt etwa Lea über ihre alkoholkranke Mutter. Die Geschichten könnten kaum unterschiedlicher sein. Sie sind wahr. Authentisch. Und für alle zugänglich. Denn das Gesundheitsamt Graubünden hat für den Aktionstag extra eine ins Leben gerufen, auf der auch Geschichten von Betroffenen zu hören sind.