Der Problemvogel: Es gibt immer mehr Tauben in Chur
Von Cindy Ziegler
«Bitte nicht füttern».
Diesen Aufruf startete die Stadt Chur vor gut eineinhalb Jahren, um die Taubenpopulation einzudämmen. Wie erfolgreich diese Aktion war, wollten wir herausfinden und haben mit dem Ornithologen vom Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, Sergio Wellenzohn, gesprochen.
Sergio Wellenzohn, im Frühling 2022 musste in der Stadt Chur der Taubenbestand eingegrenzt werden. Hat sich seither die Lage entspannt?
Sergio Wellenzohn: Es gilt, dies differenziert zu betrachten. Auf dem Bahnhofsareal hat sich die Lage normalisiert. Wobei eine Entspannung der Lage während der Sommerzeit auch normal ist. Zu dieser Zeit halten sich viele Strassentauben auf den Feldern im Umland der Stadt auf. Aus anderen Churer Stadtquartieren wurden jedoch diesen Sommer mehr Meldungen über die störende Anwesenheit von Strassentauben gemeldet als in anderen Jahren.
Auf dem Bahnhofsareal hat sich die Situation also durch Nichtfütterung beruhigt. Wäre dies auch eine Möglichkeit in den Quartieren oder gibt es noch andere Möglichkeiten, um den Bestand zu regulieren?
Im Prinzip ist Nichtfüttern die beste Möglichkeit zur Regulierung eines Bestandes. Die Entnahme von Individuen wiederum ist sehr schwierig, da im Stadtgebiet oftmals auch aus Sicherheitsgründen keine Abschüsse infrage kommen und beim Fallenstellen innerhalb von kurzer Zeit ein Lerneffekt eintritt. Da für die Stadt Chur und das AJF (Amt für Jagd und Fischerei) das Tierwohl der Strassentauben an erster Stelle steht, können weiter Entnahmepraktiken nicht gebilligt werden.